{"id":35154,"date":"2024-11-23T22:45:28","date_gmt":"2024-11-23T21:45:28","guid":{"rendered":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/?p=35154"},"modified":"2024-11-26T11:44:38","modified_gmt":"2024-11-26T10:44:38","slug":"ein-sehr-nachdenklicher-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/2024\/11\/23\/ein-sehr-nachdenklicher-tag\/","title":{"rendered":"Aufw\u00fchlender, nachdenklicher Tag"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Mo_20241123__dsc01722.jpeg\" width=\"338\" height=\"756\" \/><\/p>\n\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unsere Tour, die wir im Hostel buchen konnten, beginnt damit, dass wir zu viert gemeinsam in einem Tuk-Tuk zur ersten Gedenkst\u00e4tte, dem TOUL Sleng (S-21) fahren. Noch unterhalten wir uns entspannt mit Jytte, der jungen Hamburger Lehrerin, die gerade ein Sabbatical Jahr macht und noch viele L\u00e4nder erkunden m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als wir alle zusammen in Toul Sleng ankommen und der Audioguide die ersten eindr\u00fccklichen Worte an uns richtet, ist es mit der entspannten Atmosph\u00e4re vorbei.<\/p>\n<div class=\"wDYxhc\" data-md=\"61\">\n<div role=\"heading\" data-attrid=\"wa:\/description\" aria-level=\"3\" data-hveid=\"CFsQAA\">\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse; background-color: #eeeeee; height: 10px;\" cellpadding=\"5\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 120px;\">\n<td style=\"width: 976px; height: 10px;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Schreckensherrschaft der Roten Khmer, 1975-1979<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Tuol Sleng und Choeung Ek sind zwei der bekanntesten Gedenkst\u00e4tten des kambodschanischen Genozids, die von den Roten Khmer unter Pol Pot zwischen 1975 und 1979 ver\u00fcbt wurden. Beide Orte sind mit dem Leid und der Zerst\u00f6rung verbunden, die w\u00e4hrend der Schreckensherrschaft des Regimes \u00fcber Kambodscha hinweggingen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Tuol Sleng (auch bekannt als S-21)<\/strong> war ein ehemaliges Schulgeb\u00e4ude in Phnom Penh, das von den Roten Khmer als Folter- und Gef\u00e4ngniseinrichtung umfunktioniert wurde. Etwa 17\u2019000 Menschen, darunter Intellektuelle, Politiker, Milit\u00e4rs, religi\u00f6se F\u00fchrer und vermeintliche Gegner des Regimes, wurden dort festgehalten, gefoltert und verh\u00f6rt, bevor sie in der Regel nach Choeung Ek oder anderen Exekutionsorten gebracht wurden. Die Gefangenen wurden brutal misshandelt, um &#8222;Gest\u00e4ndnisse&#8220; zu erzwingen, die oft frei erfunden waren.<br \/>\nHeute ist Tuol Sleng ein Museum, das die schrecklichen Taten der Roten Khmer dokumentiert und die Schicksale der Opfer aufzeigt. Die erhaltenen Fotografien und die zahlreichen Zeugnisse \u00fcberlebender Opfer machen es zu einem eindrucksvollen Mahnmal f\u00fcr den Genozid. Von den ca.17&#8217;000 Opfern \u00fcberlebten nur 12 Menschen diesen schrecklichen Ort. Es waren 8 Erwachsene und 4 Kinder im Alter zwischen 4 und 8 Jahren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Choeung Ek<\/strong>, etwa 10 Kilometer s\u00fcdlich von Phnom Penh gelegen, ist ein Massengrabkomplex, der als eines der bekanntesten <strong>&#8222;Killing Fields&#8220;<\/strong> bekannt wurde. Hier wurden die Gefangenen aus Tuol Sleng und anderen Gef\u00e4ngnissen ermordet. Die Rote Khmer exekutierten ihre Opfer oft mit primitiven Methoden wie Schaufeln, \u00c4xten oder Schl\u00e4gen, um die Munition zu sparen. In Choeung Ek wurden die Opfer in Massengr\u00e4bern verscharrt, die sp\u00e4ter durch arch\u00e4ologische Ausgrabungen untersucht wurden.<br \/>\nHeute ist Choeung Ek eine Gedenkst\u00e4tte und ein Mahnmal, in dem eine Stupa aus Glas Tausende von menschlichen Sch\u00e4deln enth\u00e4lt \u2013 ein ersch\u00fctterndes Bild des Ausmasses des Leidens.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beide Orte sind heute Erinnerungsst\u00e4tten, die sowohl das unvorstellbare Leid der Opfer ehren, als auch dazu dienen, zuk\u00fcnftige Generationen vor den Gefahren von Ideologien der Gewalt und des Hasses zu warnen. Sie sind essenzielle Stationen auf der Reise durch die kambodschanische Geschichte, die die grausamen Folgen der Roten Khmer-Herrschaft dokumentieren und die Erinnerung an den Genozid lebendig halten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unter der F\u00fchrung von <strong>Pol Pot<\/strong> war die Herrschaft der <strong>Roten Khmer<\/strong>, die vom 17. April 1975 bis zum 7. Januar 1979 dauerte, war eine der schlimmsten Gr\u00e4ueltaten des 20. Jahrhunderts. Ihr Ziel war die Schaffung einer radikal agrarischen Gesellschaft, in der alle modernen Institutionen abgeschafft und die urbane Bev\u00f6lkerung zwangsweise auf das Land umgesiedelt wurde und eine &#8222;rein&#8220; revolution\u00e4re Gesellschaft aufzubauen.<br \/>\nHier gibt es grosse Parallelen zu Maos langen Marsch und seinen politischen und gesellschaftlichen Zielen. Mao war das engste und wichtigste Vorbild Pol Pots.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als die Roten Khmer die Hauptstadt Phnom Penh einnahmen, begann eine fast vierj\u00e4hrige Schreckensherrschaft, die von extremen politischen Repressionen, Massenmorden, Folter und Zwangsarbeit gepr\u00e4gt war. Pol Pot und seine Anh\u00e4nger strebten nach einer Gesellschaft ohne Klassenunterschiede, was sie durch die v\u00f6llige Zerst\u00f6rung aller sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen erreichen wollten. Intellektuelle, Lehrer, \u00c4rzte, K\u00fcnstler und alle, die als &#8222;Feinde&#8220; des neuen Regimes galten, wurden verfolgt und oftmals ermordet. Er reichte dabei, eine Brille zu tragen, eine Fremdsprache zu sprechen oder &#8222;weiche&#8220; H\u00e4nde zu haben&#8230; <strong>Der Genozid f\u00fchrte zum Tod von sch\u00e4tzungsweise 1,7 bis 2 Millionen Menschen, etwa ein Viertel der Bev\u00f6lkerung Kambodschas!<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pol Pot, der 1976 offiziell Premierminister wurde, setzte eine Politik der Gewalt und Angst durch, die Kambodscha in einen desolaten Zustand versetzte. Die Wirtschaftsstruktur wurde v\u00f6llig zerst\u00f6rt und das Land verarmte enorm. Kulturelle Errungenschaften und religi\u00f6se Praktiken wurden unterdr\u00fcckt, w\u00e4hrend das Land von den Roten Khmer wie eine riesige Farm betrieben wurde. Das Ziel war absolut unrealistisch: Verdreifachung der Reisproduktion mit &#8222;ungelerntem Personal aus der Stadt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1979 endete die Herrschaft der Roten Khmer, als vietnamesische Truppen Kambodscha \u00fcberrannten und das Regime st\u00fcrzten. Pol Pot floh ins Dschungelgebiet an der thail\u00e4ndischen Grenze, wo er weiterhin versuchte, den Widerstand zu organisieren. Erst 1997 wurde er von der F\u00fchrung der Roten Khmer verhaftet und starb 1998 unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden.<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Herrschaft der Roten Khmer und Pol Pots Hinterlassenschaft pr\u00e4gen Kambodscha bis heute. Die Bev\u00f6lkerung leidet noch immer unter den Folgen dieser dunklen \u00c4ra.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In stiller Demut schreiten wir durch diese beiden Gedenkst\u00e4tten. Wir sehen immer wieder andere Besucher, die sich still auf eine der vielen B\u00e4nke zur\u00fcckziehen. Die meisten von ihnen, so wie wir auch, h\u00f6ren dabei den Beschreibungen aus dem Audioguide zu \u2013 sie sind in vielen Sprachen verf\u00fcgbar. Dieses Mal bieten uns diese Guides eine wertvolle Hilfe, dies alles hier verstehen zu k\u00f6nnen. Heute sehen wir keine fr\u00f6hlich umherspringenden Kinder oder sich laut unterhaltender Besucher.<\/p>\n\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt der Gr\u00e4ueltaten. Und dies auch noch unpers\u00f6nlich auf stummen Fotos und Beschreibungen. Wenn wir Augen schliessen, uns an die gerade gesehenen Bilder erinnern und die Worte des Audioguides h\u00f6ren, bekommen wir nur eine unbestimmte Ahnung von dem, was hier alles im Namen der \u00abgerechten Sache\u00bb passierte.<\/p>\n\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als wir Choeung Ek mit dem Tuk-Tuk wieder verlassen und uns wieder in der jetzigen Wirklichkeit befinden, sind wir immer noch in uns gekehrt. Erst nach und nach k\u00f6nnen wir uns \u00fcber Allt\u00e4gliches, wie Beruf und Reise unterhalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ob wir mit Jytte noch zusammen zum Znacht ausgehen, wird sich noch zeigen. Sie hat Ohrenschmerzen und folgt dem Rat der Apothekerin, vorsorglich zur Untersuchung ins Spital zu gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir lenken uns etwas mit einem Besuch in einem Restaurant ab. Sp\u00e4ter arbeitet jeder f\u00fcr sich am Reisetagebuch.<\/p>\n\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zum Znacht gehen wir noch mit Jytte und ihren zwei Zimmerkolleginnen, Fay aus den Niederlanden und Natalie aus Vorarlberg in ein kleines kambodschanisches Resti aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War Kultur seit M\u00e4rz letzten Jahres, dem Beginn unserer ganzen Reise, oftmals etwas Faszinierendes, so ist der heute ein bewegend-nachdenklicher Tag: Wir lernen viel \u00fcber einen sehr junger Teil der kambodschanischen Geschichte, der noch keine 50 Jahre zur\u00fcckliegt und sich noch vielen \u00e4lteren Menschen tief in ihre Ged\u00e4chtnisse eingebrannt hat. Wir besuchen die beiden Gedenkst\u00e4tten Tuol Sleng (S-21) und das Choeung Ek V\u00f6lkermord-Gedenkzentrum &#8222;Killing Fields&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":35068,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1042,1044],"tags":[],"class_list":["post-35154","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asien","category-kambodscha"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35154"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35175,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35154\/revisions\/35175"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}