{"id":52423,"date":"2026-04-08T22:14:33","date_gmt":"2026-04-08T20:14:33","guid":{"rendered":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/?p=52423"},"modified":"2026-04-14T03:02:54","modified_gmt":"2026-04-14T01:02:54","slug":"waitangi-treaty-ground","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/2026\/04\/08\/waitangi-treaty-ground\/","title":{"rendered":"Waitangi Treaty Ground"},"content":{"rendered":"<p>Als wir am fr\u00fchen Morgen die Augen \u00f6ffnen, strahlt doch tats\u00e4chlich die Sonne durchs \u00abSchlafzimmerfenster\u00bb herein \u2600\ufe0f\ud83d\ude03. Uiiiii, das ist aber fein.<\/p>\n<p>Schnell kommen wir wegen der hohen Luftfeuchtigkeit ins Transpirieren. Doch zuerst ziehen wir mit Manaaki auf eine powered Site, einen Stellplatz mit Stromanschluss, um. Jo, der Intelligenzbolzen darf bei der netten Dame in Office gleich zweimal antraben, weil er sich beim ersten Mal mit der Platznummer auch gleich vertan hat\u2026<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach den \u00fcblichen Zmorge Regularien (Kafi und SuperBowl) wird beschlossen, ins nah gelegene Waitangi Museum zu gehen.<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse; background-color: #eeeeee;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%;\"><strong>Waitangi<\/strong> ist weit mehr als nur eine malerische Kulisse an der Bay of Islands; es ist der Geburtsort des modernen Neuseelands. Am 6. Februar 1840 wurde hier der Treaty of Waitangi (Te Tiriti o Waitangi) unterzeichnet. Was auf dem Papier wie ein einfacher Pakt zwischen der britischen Krone und \u00fcber 500 M\u0101ori-H\u00e4uptlingen aussah, ist bis heute das Fundament \u2013 und das Streitthema \u2013 der Nation. Da die M\u0101ori-Fassung und das englische Original bei Begriffen wie \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c und \u201eRegierungsgewalt\u201c krass voneinander abweichen, bleibt der Vertrag ein lebendiges, oft rechtlich umk\u00e4mpftes Dokument.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Auf den Treaty Grounds sp\u00fcrt man dieses \u201eMana\u201c (Prestige) \u00fcberall. Neben dem kolonialen Treaty House beeindruckt vor allem das Te Whare R\u016bnanga, ein pr\u00e4chtig geschnitztes Versammlungshaus, das die Einheit der St\u00e4mme symbolisiert. Ein echtes Kraftpaket ist das Ng\u0101tokimatawhaorua: Ein gigantisches Kriegskanu (Waka), das 35 Meter misst und 80 Ruderer braucht, um durch die Wellen zu pfl\u00fcgen. Dieses Kanu wiegt im trockenen Zustand 6 t. Jedes Jahr zum Nationalfeiertag am 6. Februar wird das Kanu 3 Tage vorher zu Wasser gelassen. Das Salzwasser l\u00e4sst das Holz aufquellen und macht es somit wasserdicht. Allerdings wiegt das Kanu nach dem Wassern gut 9 t. Das Holz hat innerhalb der 3 Tage insgesamt 3&#8217;000 l Wasser aufgesogen!<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Waitangi ist kein verstaubtes Museum, sondern ein Ort, an dem die Neuseel\u00e4nder jedes Jahr am Nationalfeiertag leidenschaftlich \u00fcber ihre Identit\u00e4t streiten, tanzen und feiern. Es ist der Ort, an dem die komplexe Seele Aotearoas, so bezeichnen Maori Neuseeland, zu Hause ist.<\/p>\n<p>Zuerst nehmen wir an einer traditionellen Begr\u00fcssungs-, Gesangs- und Folklore-Vorstellung teil. Diese findet im Te Whare R\u016bnanga statt. Als im zweiten Teil der Vorstellung eine Gitarre als Musikinstrument hinzukommt, denk Jo, dass er fast auf einer Jahrmarktsvorstellung sei. Aber das tut der gesamten Vorstellung keinen Abbruch; alle Protagonisten sind mit grosser Motivation und viel Spass dabei.<\/p>\n<p>Gleich im Anschluss gibt\u2019s noch eine gef\u00fchrte Tour durch die Anlage. Reza, unser weiblicher Tour Guide, kennt sich hervorragend mit allem aus. Eindr\u00fccklich und mit einigen Anekdoten gespickt erz\u00e4hlt sie uns vieles \u00fcber die eigentlichen Bewohners Neuseeland.<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse; background-color: #eeeeee;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%;\">Der <strong>Begriff \u201eM\u0101ori\u201c<\/strong> ist heute weltweit bekannt, doch seine Geschichte als Eigenbezeichnung f\u00fcr ein ganzes Volk ist k\u00fcrzer, als man vielleicht denkt. Das Wort m\u0101ori stammt aus dem Ur-Polynesischen und bedeutete urspr\u00fcnglich schlichtweg \u201enormal\u201c, \u201enat\u00fcrlich\u201c oder \u201egew\u00f6hnlich\u201c. Die Bewohner Aotearoas (Neuseelands) nutzten das Wort nicht als Namen f\u00fcr ihr Volk. Sie identifizierten sich prim\u00e4r \u00fcber ihre Stammeszugeh\u00f6rigkeit (Iwi) oder Unterst\u00e4mme (Hap\u016b). \u201eM\u0101ori\u201c wurde lediglich adjektivisch genutzt, um zum Beispiel \u201efrisches Wasser\u201c (wai m\u0101ori) von Salzwasser zu unterscheiden oder um sterbliche Menschen von G\u00f6ttern und Geistern abzugrenzen. Erst als die britischen Siedler (die P\u0101keh\u0101) eintrafen, ben\u00f6tigten die Ureinwohner einen Sammelbegriff, um sich von den Fremden abzugrenzen. Sie bezeichneten sich selbst als die \u201eNormalen\u201c oder \u201eEinheimischen\u201c (t\u0101ngata m\u0101ori), w\u00e4hrend die Europ\u00e4er als andersartig wahrgenommen wurden.<\/p>\n<p>Es ist wichtig zu verstehen, dass \u201eM\u0101ori\u201c keine Zusammenfassung verschiedener Ethnien im klassischen Sinne ist, sondern eine ethno-linguistische Gruppe beschreibt. Dennoch l\u00e4sst sie sich wie folgt unterteilen: Die M\u0101ori sind die Nachfahren ostpolynesischer Seefahrer, die zwischen 1200 und 1300 n. Chr. nach Neuseeland kamen. Sie teilen sich die kulturellen und sprachlichen Wurzeln mit den V\u00f6lkern der Cookinseln, Tahitis und Hawaiis. Unter dem Dachbegriff \u201eM\u0101ori\u201c sammeln sich hunderte von Iwi (Grossst\u00e4mmen). Bekannte Beispiele sind die Ng\u0101puhi im Norden oder die Ng\u0101i Tahu auf der S\u00fcdinsel. Jeder Iwi hat seine eigene Geschichte, Dialekte und Territorien (Rohe).<\/p>\n<p>Alle M\u0101ori-Gruppen f\u00fchren ihre Herkunft auf das mythische Hawaiki zur\u00fcck \u2013 nicht zu verwechseln mit Hawaii, sondern ein spiritueller Ursprungsort irgendwo im pazifischen Raum.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Der Begriff M\u0101ori ist ein direktes Resultat der Begegnung mit der westlichen Welt \u2013 ein Wort f\u00fcr das \u201eHeimische\u201c in einer Zeit des Wandels.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Auch auf die Besiedlung erst durch die Niederl\u00e4nder durch Abel Tasman und sp\u00e4ter durch die Engl\u00e4nder durch James Cook ist ein grosser Bereich dieser F\u00fchrung.<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse; background-color: #eeeeee;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 100%;\">Die <strong>Geschichte der europ\u00e4ischen Pr\u00e4senz in Neuseeland<\/strong> ist eine Erz\u00e4hlung von verpassten Chancen der Niederl\u00e4nder und dem strategischen (wenn auch chaotischen) Vorgehen der Briten.<\/p>\n<p>Der erste Europ\u00e4er, der Neuseeland sichtete, war der Niederl\u00e4nder Abel Tasman im Jahr 1642. Er stand im Dienst der Niederl\u00e4ndischen Ostindien-Kompanie (VOC). Tasman ankerte in der heutigen Golden Bay (S\u00fcdinsel). Die Begegnung mit den M\u0101ori endete jedoch gewaltsam: Bei einem Scharm\u00fctzel wurden vier seiner Seeleute get\u00f6tet. Tasman betrat das Land daraufhin nie. Er nannte das Land \u201eStaten Landt\u201c. Sp\u00e4ter \u00e4nderten niederl\u00e4ndische Kartografen dies in Nova Zeelandia (nach der niederl\u00e4ndischen Provinz Zeeland). Die Niederl\u00e4nder sahen in dem Land keinen kommerziellen Nutzen. Es gab keine Gew\u00fcrze, kein Gold und die Bewohner wirkten wehrhaft. Die VOC legte die Akte Neuseeland f\u00fcr \u00fcber 100 Jahre ad acta.<\/p>\n<p>Es gab keinen einzelnen \u201eersten Siedler\u201c, sondern eine schleichende Migration ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert. James Cook (1769): Er kartografierte das Land erstmals pr\u00e4zise f\u00fcr die Briten und nahm es formell f\u00fcr K\u00f6nig Georg III. in Besitz. Ab den 1790er Jahren liessen sich Walf\u00e4nger, Robbenj\u00e4ger und sp\u00e4ter Missionare (ab 1814) nieder. Die erste permanente europ\u00e4ische Siedlung war Koror\u0101reka (heute Russell) in der Bay of Islands. Sie war in den 1830er Jahren als \u201eH\u00f6llenloch des Pazifiks\u201c bekannt, da sie ein gesetzloser Zufluchtsort f\u00fcr Matrosen und H\u00e4ndler war.<\/p>\n<p>Dass Neuseeland britisch wurde und heute Teil des Commonwealth ist, lag an drei entscheidenden Faktoren: Urspr\u00fcnglich wollte die britische Regierung Neuseeland gar nicht kolonisieren (zu teuer, zu weit weg, zu wenig lukrativ). Erst als private Firmen (die New Zealand Company) begannen, eigenm\u00e4chtig Land von M\u0101ori zu kaufen und Siedler scharenweise ins Land brachten, musste London eingreifen, um Ordnung zu schaffen.<\/p>\n<p>Die Briten hatten Wind davon bekommen, dass Frankreich ernsthaftes Interesse an einer Kolonie in Akaroa (S\u00fcdinsel) hatte. Um den Franzosen zuvorzukommen, beschleunigten die Briten ihre Annexionspl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Der Vertrag von Waitangi (1840): Dies ist der entscheidende Moment. Um Rechtssicherheit zu schaffen und (offiziell) die M\u0101ori vor skrupellosen Landverk\u00e4ufen zu sch\u00fctzen, wurde der Vertrag geschlossen. Damit wurde Neuseeland offiziell britische Kolonie.<\/p>\n<p>Zusammenfassend: Die Niederl\u00e4nder \u201eentdeckten\u201c das Land zwar, liessen es aber links liegen. Die Briten hingegen nutzten 127 Jahre sp\u00e4ter die Gunst der Stunde, als der Siedlungsdruck und die Rivalit\u00e4t mit Frankreich eine formelle \u00dcbernahme politisch notwendig machten. Aus der Kolonie wurde sp\u00e4ter ein Dominion und schliesslich ein souver\u00e4ner Staat im Commonwealth.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Nach dieser interessanten F\u00fchrung besuchten wir noch das eigentliche Museum, in dem die beiden grossen Weltkriege einen grossen Platz einnehmen. Nachmittags geniessen wir bei einem kalten Bier noch die letzten warmen Sonnenstrahlen \ud83d\ude01<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem vorz\u00fcglichen Abendessen trifft Jo beim Abwasch in der Camp Kitchen einen jungen Mann aus Argentinien. Er meint, dass er aus einer kleineren Stadt aus Argentinien nur 700 km n\u00f6rdlich vom s\u00fcdlichen Polarkreis komme. Ushuaia f\u00e4llt Jo dazu ein. Nat\u00fcrlich kommt Jo dann auch <a href=\"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/2024\/02\/10\/tikal\/\">Pablo auf seinem kleinen blauen Honda Roller<\/a> in den Sinn. So erz\u00e4hlt er, wie wir Pablo in Tikal, Guatemala vor gut 2 Jahren getroffen und kennengelernt haben. Was f\u00fcr eine \u00dcberraschung: Wie sich herausstellt ist der junge Mann ein Freund von Pablo (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/@PabloImhoff\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/@PabloImhoff<\/a>). Er meint, dass der kleine blaue Roller nun in Ushuaia im dortigen Museum ausgestellt ist. SO KLEIN IST DIE WELT!<\/p>\n<p>Morgen geht\u2019s auf nach Whangarai zum Autoelektriker, der uns hoffentlich helfen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An diesem sonnigen Tag steht ein Kultur- und Geschichtsprogramm an: Am Geburtsort des modernen Neuseelands, wo am 6. Feb. 1840 der der Treaty of Waitangi (Te Tiriti o Waitangi) zwischen der Britischen Krone und den Maori unterzeichnet wurde.<\/p>\n<p>Abends beim Abwasch in der Kuchi merkt Jo mal wieder, dass die Welt manchmal doch \u00abein Dorf\u00bb ist.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":52356,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1056,1057],"tags":[],"class_list":["post-52423","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neuseeland","category-nz-nordinsel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52423"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52423\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52460,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52423\/revisions\/52460"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/media\/52356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bielitzer.ch\/travels\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}