Franz Josef Gletscher & Okarito Trig Walk

Veröffentlicht in: Neuseeland, Südinsel | 0

Als es schon späterer Vormittag ist, beschliessen wir, heute zwei kleinere «Gletscher-Wanderungen» zu machen. Statt des angebotenen Shuttle Buses fahren wir doch lieber mit Manaaki, was sich im Nachhinein auch als sehr weiser Entscheid herausstellt.

Wir sind jetzt nicht gerade hochalpin ausgestattet, doch besser als so mancher, der sich in Flipflops auf den Weg macht. Die Wanderungen fallen doch viiiieeel kürzer aus als gedacht, jedenfalls wenn wir den Wegtafeln glauben können.

Zuerst machen wir uns auf den Weg zum Sentinel Rock. Von hier aus kann man einen Blick auf den Rest des Franz Josef Gletschers erhaschen. Obwohl auf dem Parkplatz und am Startpunkt der Wanderungen doch viele Wanderer anzutreffen sind, ist es hier am Sentinel Rock erstaunlich ruhig. Ob dies an der kleinen Steigung auf den Hügel liegt?

Parkverbot am Strassenrand auf dem Weg zum Franz Josef Glacier
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Nicht weit entfernt ist der Glacier View Point, unser nächster und hier auch letzter Lookout. Hatten wir vom Sentinel Rock einen etwas erhöhten Ausblick auf den Gletscher, das Gletschertal und den Waiho River, so sind wir beim Glacier View Point schon wesentlich tiefer, fast auf Höhe des Flussbetts und schauen eher aufwärts. Dafür sieht man ein kleines bisschen mehr vom Gletscher. Hier ist auch ein Foto aus dem Jahr 1908 zu sehen auf dem der Gletscher einen wirklich imposanten Eindruck macht. Gerade so, als wäre man in den Höhenlagen Alaskas.

Auf dem Rückweg zu Manaaki machen wir uns Gedanken, was wir mit dem herrlichen Tag noch alles anfangen können. So kommt Ma auf die wundervolle Idee, doch bis nach Oktarito zu fahren und dort den Oktarito Trig Walk zu machen. Dafür müssen wir erst noch eine knappe ½ Std. fahren. Die Wanderung beginnt mit auf einem «Holzweg», der uns über ein Sumpfgebiet führt. In einem grossen Bestand an neuseeländischem Flachs (Phormium tenax) kann man viele Tuis beobachten, wie sie Nektar aus den roten Blüten schlürfen.

Tui mit Blütenstaub auf dem Kopf - Prosthemadera novaeseelandiae
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Ab dort führt uns der geschwungene Weg, teilweise recht steil bis zum Aussichtspunkt, der auch gleichzeitig Vermessungspunkt ist und dem Wanderweg seinen Namen Oktarito Trig Walk gegeben hat.

Von hier aus haben wir einen beeindruckenden Ausblick auf die Westküste, die Okarito Lagune und die angrenzenden Schneeberge mit dem Franz Josef Gletscher in der Mitte. Leider hängen schon die letzten Tage dichte Wolken an den Bergen, so dass man meinen könnte, diese wären die reinsten südafrikanischen Tafelberge. Einfach abgeschnitten. Doch solches kennen wir auch aus der Heimat. Dafür sehen wir vereinzelte weisse Reiher, die nur hier in dieser Region zu sehen sind.

Die Okarito-Lagune liegt an der wilden Westküste der Südinsel, nördlich von Franz Josef, und ist die grösste Küstenlagune Neuseelands. Sie entstand durch das Zusammenspiel von Gletscherschutt, Meeresströmungen und dem langsamen Absinken des Landes. Süss- und Salzwasser vermischen sich hier zu einem äusserst produktiven Ökosystem.

Die Lagune ist ein bedeutendes Feuchtgebiet mit hoher Biodiversität. Sie dient zahlreichen Vogelarten als Brut- und Rastplatz, darunter Reiher, Löffler und Zugvögel aus dem Pazifikraum. Besonders bekannt ist das Hinterland für den extrem seltenen Okarito-Braunkiwi (Rowi), der nur in dieser Region vorkommt.

Bei ruhigem Wetter spiegeln sich die Südalpen mit Mount Cook und Mount Tasman eindrucksvoll in der Wasserfläche – ein seltener Blick von Meereshöhe auf vergletscherte Dreitausender.

Die Lagune wird traditionell von den Māori genutzt, vor allem zum Fischfang, und steht heute unter Naturschutz. Kajakfahren und Vogelbeobachtung erfolgen bewusst sanft, um dieses fragile Naturgebiet zu erhalten.

 

Als wir uns auf den Retourweg machen, kommen wir nochmals am Kiwi Habitat vorbei. Bis dahin sind es nochmals 30 min zu Fuss. Das machen wir heute nicht mehr; ausserdem sollte man Kiwis am besten bei Nacht nachspüren – tagsüber sind sie i.a. nicht zu sehen.

Bei der Rezeption holt sich Jo ein paar Infos über das Habitat. So kommt er auf die Webseite eines Guides, der Nachttouren anbietet. Kurzerhand fragt er dort an, ob wir für übermorgen eine Tour buchen können. Diese geht so bei Sonnenuntergang los und dauert 3-5 Stunden. Was dann heisst, dass es mitten in der Nacht so zwischen 1 und 3 Uhr sein kann, bis wir zum Campground zurückkommen. Oder aber wir lassen die teure Buchung sausen und übernachten irgendwo in der Nähe des Reservats…

Wir spüren schon etwas den heutigen Tag in unseren müden Knochen. Ob wir morgen die grössere Wanderung machen können, sehen wir, wenn es so weit ist.

 

 

 

 

 

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