Der Sturm blieb auch über Nacht aus, doch der heftige Wind lässt die Äste des Baumes neben dem Unterstand immer wieder über das Wellblech kratzen.
Für uns geht es heute auf den Bealey Spur Track. Vorher fragen wir noch unsere Landlady, ob wir den Platz tauschen können – er hat schon nicht gerade die tollste Aussicht auf die Landschaft. «We are fully booked», ist die Antwort. Nun gut, dann bleibt es dabei.
Um zum Bealey Spur Track zu kommen, geht’s knapp 30 km den gestrigen Weg zurück auf den Arthurs Pass – kurvenreich und mit ständigen auf und ab, wie wir es schon gestern her kennen. Glücklicherweise erwischen wir den letzten Parkplatz am Startpunkt, von wo die Wanderung beginnt.
Ging es gestern moderat hinauf, ist heute der erste Anstieg recht steil. Der Regen der letzten Tage hat so manches Schlammloch entstehen lassen, durch schon viele Wanderer vor uns gestiefelt sind. Doch wie meistens gibt’s auch hier Stellen ganz am Rand, die noch begehbar sind, ohne bis zum Knöchel im Matsch zu versinken. Um unsere altermüden Knochen etwas zu schonen, beschliessen wir, nicht den ganzen Track bis zur Schutzhütte zu machen. Vorher gibt’s einen Lookout, den sogenannten «Power View», der der eine tolle Aussicht auf die breiten Talebenen bietet. Das wird unser Ziel sein. Ausserdem gibt’s danach bis zur Schutzhütte nicht mehr viel Aussicht; erst danach wäre der Weg wieder spannender.

Wie schon der gestrige Weg geht auch der heutige längs und quer immer über Stock und Stein. Es geht langsam, aber stetig immer weiter hinauf, der Wind nimmt zu. Die Aussicht, die uns am Lookout erwartet, ist einfach überwältigend. Diese Weite in die einzelnen Täler. Einfach nicht beschreibbar!

Nach mehr als einem Jahr haben wir hier und heute auch wieder die Schallmauer von 1000 m über Meereshöhe durchbrochen. Unser liebes Amden diheime geht da ja schon höher hinaus, doch nach einem Jahr Australien (mostly flat) und mit durchschnittlichen 300 m finden wir, dass dies schon eine rechte Steigerung ist!
Naturgemäss geht der Abstieg um einiges schneller als der Aufstieg. Wir beschliessen, im angepriesenen Bealey Hotel einzukehren. Hier soll man eine phänomenale Aussicht haben und einen guten Snack geniessen können. Doch leider hat es weder das eine noch das andere. Wegen einer grösseren geschlossenen Gesellschaft ist die Küche mit Vorbereitungen blockiert und es gibt nur Getränke. Und die Aussicht kann man nur auf der windumtosten Terrasse draussen geniessen. Zum Schmunzeln bringen uns die Kindermenüs in der Menükarte:

Nach einer kurzen kalten Erfrischung geht’s mit hungrigen Mägen zurück zum Campground in Jacksons. Doch dem wird schnell Abhilfe geschaffen.

Für die Zeit nach der Reise sind wir uns einig, dass wir nur noch ein Auto benötigen. Nach wochenlangen Überlegungen sind wir zu dem Schluss gekommen, bzw. Ma hat den Ausschlag gegeben, dass wir weder nach einem ausgebauten Camper Ausschau halten, noch dass Jo selbst einen ausbauen wird. Die beste Lösung scheint uns ein Pickup mit einer Wohnkabine. So können wir den Pickup im Alltag als separates Fahrzeug nutzen, ohne ständig die Wohnkabine mit herumfahren zu müssen. Und wenn es uns nach einer Reise gelüstet, wird diese aufgeladen, festgezurrt und los geht’s.
Nach langen und schwierigen Verhandlungen mit Adrian, der in der Schweiz als Händler für «Northern Lights» eine Wohnkabine zum Verkauf anbietet, die auch genau unseren Vorstellungen entspricht, ist endlich alles klar. Adrian ist mit Sicherheit ein Fachmann auf dem Gebiet der Wohnkabinen und weiss, wovon er schreibt. Sprechen fällt leider aus, da er sich all unseren Bemühungen nach einem Videocall oder Anruf widersetzt. Ein gesegnetes Verkaufstalent, das sich auch zwischenmenschlich um seine Kunden bemüht, ist er wahrlich nicht. Aber nun ist alles abgestimmt und der Vertrag liegt auf dem Tisch, bzw. im E-Mail Eingang. Ist jetzt nicht ganz das, wir uns erhofften aber OK für uns. Jo möchte Ma nicht drängen und lässt ihr Zeit, sich alles nochmals in Ruhe anzuschauen. Als Jo die Bestätigung an Adrian schicken möchte und das E-Mail schon parat zum Abschicken ist, wirft Ma plötzlich alles über den Haufen. Im Grunde genommen ja, aber… Sie bekommt kalte Füsse, hat beim Verkäufer nicht das beste Gefühl und möchte eigentlich bei diesem Fahrzeugkauf das Fahrzeug gerne zuerst sehen, bevor es gekauft wird. Doch so lange bis wir zurück sind will Adrian nicht warten. «Vermutlich ist es für den Fahrzeugkauf in der Schweiz einfach noch zu früh», meint Ma. Jo’s Einwand, dass solche Angebote in unserem Budget sehr rar sind, lässt Ma nicht gelten. Lange Rede kurzer Sinn, Jo bläst die ganze Sache schweren Herzens ab. Damit ist für ihn das Thema auch vom Tisch. Ma darf sich jetzt federführend in dieser Angelegenheit austoben…
Nach einem wunderschönen Tag sinkt die Stimmung in Manaaki leider wieder einmal auf eisige Temperaturen 🥶 👀 😢


































Valentin Cesare gessler
Na ja, die Vernunft siegt über den Entusiasmus.
Gisi
Ein kluger Entscheid, den Kauf ins Grüne nicht zu tätigen – immer auf die weibliche Intuition hören, gell Jo;-). Schon beim Lesen richteten sich meine Häärchen auf. Ein Freund von uns hat auch einen Pickup mit Aufsatz, ich kann euch seine Kontaktdaten per PN geben.