Glenmonarch Farm-Tour mit Rosy als Star im Stadion…

Veröffentlicht in: Neuseeland, Südinsel | 0

Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass es schon JoMa Methode ist, immer die Letzten zu sein, die den Campground verlassen. So auch heute wieder. Während der Campground schon leer ist, haben wir noch nicht einmal mit dem Zmorge begonnen.

Dachten wir die Tage noch, heute die Zeit bis zur Führung auf der Glen Monarch Farm um 14 Uhr noch tot schlagen zu müssen, ist die Zeit bis dahin schon recht ausgefüllt: Die Liquid Laundry in Te Anau, in der innerhalb 1 Std. gewaschen und getrocknet werden kann, lässt sich diesen Express Service auch gut bezahlen. Danach noch einen kurzen Einkauf im Supermarkt und schon ist die Zeit rum. Bis zur Glenmonarch Farm ist es nur eine Viertelstunde zu fahren von Te Anau.

Jo kann gerade noch an seinem Kafi nippen und das Gipfeli verdrücken, als Blair mit seinem Traktor auch schon angerumpelt kommt. Blair gehört die Hirschfarm mit über 300 Acres und knapp 500 Hirschen in unterschiedlichen Altersgruppen. Zuerst zeigt er uns anhand der unterschiedlichen Geweihstangen, welche Hirscharten hier auf seiner Farm zu finden sind. Was uns vollkommen unbekannt ist, dass den Junghirschen mit dem noch kleinen bastartigen Geweih, das max. 25 cm lang sein darf, eine besondere Rolle zukommt. Dieses noch samtige Geweih ist in China als Naturheilmedizin heiss begehrt und entsprechend wird auch dafür bezahlt. Mit dem zuständigen Tierarzt werden die entsprechenden Tiere ausgesucht, betäubt, das noch junge, stark durchblutete Geweih abgesägt und die Wunde entsprechend versorgt. Hmmmh, das muss für die Tiere doch sehr schmerzhaft sein…

Hirschgeweihe werden seit über 2000 Jahren in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet, hauptsächlich zur Behandlung von Yang-Mangel-Syndromen. Hirschgeweihe sind jedoch immer noch weitgehend ein traditionelles Heilmittel mit wenig wissenschaftlicher Grundlage, obwohl es mit der Zeit mehr Aufmerksamkeit erhält. In den letzten Jahren wurde versucht, einige wirksame Medikamente/funktionelle Lebensmittel auf der Grundlage einzigartiger biologischer Phänomene von Hirschgeweihen zu entwickeln, wie zum Beispiel, dass abgestorbenes Gewebe (harte Geweihbasis) über ein halbes Jahr lang an lebendem Gewebe (Geweihstiel) haftet, ohne Entzündungen zu verursachen; eine grosse Wunde (bis zu 10 cm Durchmesser), die nach einem vorherigen Geweihabguss auf einem Stielstumpf zurückbleibt, heilt innerhalb einer Woche mit nur einer minimalen Narbe ab; und ein stark osteoporotisches Skelett, das durch intensive Geweihverkalkung verursacht wurde, bildet sich nach Abschluss der Verkalkung vollständig zurück. Die erfolgreiche Übertragung dieser einzigartigen Phänomene in die klinische Anwendung würde der menschlichen Gesundheit sehr zugute kommen.
In der chinesischen Naturheilmedizin werden dem Hirschgeweih, genauso wie dem Horn eines Nashorns wundersame Wundheilungskräfte zugeschrieben…

 

Auch wenn Blair seine Tiere im Winter fast täglich füttert, sind sie noch lange nicht mit ihm auf Du und Du. Sobald er mit seinem weissen Pickup die einzelnen Wiesen befährt, sind die Hirsche auf der Hut vor dem, der da kommen mag. Die jüngeren Tiere, die unter einem Jahr, über einem Jahr und über 2 Jahren sind, sind immer noch recht scheu, wie es echte Wildtiere auch sind. Auch wenn Blair ihnen mit «Kraftfutter-Nüssen» ein Zusatzfutter der besonderen Güte zukommen lässt.

Mit Blair auf der Tour in der Glenmonarch Farm: Junge Hirsche mit und leider auch ohne Geweih
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Bei den über 2-jährigen Hirschen sieht man, dass diese das schon kennen: Sie sind dementsprechend nicht mehr ganz so scheu. Die über 3-jährigen Hiersche, die schon gut bis 350 kg Gewicht auf die Waage bringen, sind nach kurzem Zögern doch schon sehr mutig. Sie kennen diese Prozedur bereits recht gut und haben ihre Scheu diesbezüglich weitgehend abgelegt.

Wir erfahren nebenbei auch noch viel über die Eigenschaften von folierten und unfolierten Heuballen. Die Folie wird in vier bis sechs Schichten um den Ballen gewickelt und schliesst ihn luftdicht ein. Das ist wichtig, denn dadurch kommt es – wie zum Beispiel auch bei der Sauerkrautherstellung – zu einer Milchsäuregärung, die das wertvolle Futter über Monate haltbar macht. Die Ballen lassen sich gut transportieren, sind leicht portionierbar und es gibt vor allem so gut wie keine Futterverluste durch Schimmel oder andere Mikroorganismen.

Nach dem interessanten Teil der Führung auf den verschiedenen Hirschweiden kommt mit Rosy als Star der lustige Abschlussteil der Führung. Wir dürfen ein junges Kälbchen, ein Zicklein, ein Schäflein und ein kleines Rehlein mit der Flasche füttern. Hierbei will natürlich niemand zu kurz kommen, entsprechend gross ist die Rangelei, wer als erster am Schnuller saugen darf. Rosy die junge Hirschkuh ist hierbei schon der Publikums-Liebling. Gerne schmiegt sie sich mit ihren langen Hals an uns und macht uns dabei schöne Augen. Was sie besonders liebt, ist vorne an der Brust gekrabbelt zu werden. Als alle Milchflaschen leer sind, haben sie alle noch längst nicht genug. Blair muss sich schon mächtig ins Zeug legen, dass der kleine Streichelzoo von uns ablässt.

Jetzt haben wir noch eine windige Fahrt ins 2 Stunden entfernte Riverton vor uns. Auch wenn wir uns auf der Scenic Route bewegen und diese landschaftlich wirklich ein Augenschmaus ist, sind wir so gut wie allein unterwegs.

Auch aus Jo's alter Heimat Köln waren schon ein paar hier :-)
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Manaaki macht seine Sache wirklich gut. Wenn wir da noch an Martha oder Eneli denken, die bei solchen Winden auch gerne mal alle beiden Fahrstreifen brauchten, können wir bei Manaaki schon beruhigter fahren. Ihn bringt so schnell nichts aus der Spur!

Als wir in Riverton auf den Campground einbiegen, kommen Jo schlagartig die Erinnerungen vor fast auf den Tag genau 10 Jahren wieder in den Sinn. Genau an diesem Campground sind wir vor 10 Jahren mit Winnie wegen seiner kaputten Lichtmaschine gestrandet. Als wir das der Eigentümerin erzählen, meint sie: «Ja, vor 10 Jahren haben wir den Campground gerade frisch übernommen, und ich erinnere mich noch genau an euch». Wobei der zweite Satzteil eher Jo’s Fantasie entsprungen ist. Aber da sich nichts verändert hat, ist alles noch so wie damals.

Ebbe in Rivertons kleinem Yacht- und Fischer-Hafen
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Ma hat schon auf der Herfahrt ihren Wunsch nach einem Burger zum Znacht kundgetan. Da lässt Jo sich natürlich auch nicht zweimal bitten. Gehen wir auf dem Hinweg noch an der trockenen Hafenbucht vorbei, sehen wir gut 1½ Std. später auf dem Retourweg, dass die Flut die Bucht schon komplett mit Meerwasser gefüllt hat.

Morgen haben wir um 11 Uhr in Invercargill einen Termin zum Vorderreifen wechseln. Somit müssen wir uns morgen schon etwas mehr als üblich sputen. Bestimmt werden wir nicht die Ersten, aber bestimmt auch nicht die Letzten sein, die von hier aufbrechen werden.

 

 

 

 

 

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