Zügig, aber nicht überhastet, nehmen wir vom wohlbekannten und seit 10 Jahren fast unveränderten Riverton Holiday Park Abschied. Jetzt geht es schnurstracks nach Invercargill die bestellten Schuhe für Manaaki anzuziehen.

Als wir beim Reifenhändler ankommen, liegen diese schon für uns parat. Und gleich wird auch mit dem Reifenwechsel begonnen. Knappe 45 min. später sind wir schon wieder «on the road». Jetzt haben wir ein gutes Gefühl.
Ariane Brauer, die sich via Facebook sehr stark für unseren Manaaki interessiert, soll nach ihren Angaben hier in der Nähe wohnen, wenn sie nicht gerade auf einer Offshore-Plattform als Qualitätsingenieur arbeitet. Da uns das nicht gerade spanisch, aber doch etwas abenteuerlich vorkommt, was uns da präsentiert wurde, fahren wir mal vorbei, um Frau Brauer guten Tag zu sagen. Oder ihren Eltern oder Nachbarn… Vielleicht ist ja doch alles auf eine unkomplizierte Kiwi-Art richtig und wir haben für Manaaki schon 2 neue liebevolle Hände finden können?
Als wir bei der Adresse vorfahren, klingeln und uns die Haustür geöffnet wird, werden wir sofort gewahr, dass alles erstunken und gelogen ist. Die ältere Dame, die uns öffnet, wohnt mit ihrem Ehemann schon seit über 22 Jahren hier und beide kennen keine Ariane Brauer. Wir sind zum Glück früh genug einem Scam auf die Schliche gekommen. Wie dieser zwar hätte aussehen sollen, ist uns noch immer schleierhaft. Wir hätten nicht unsere üblichen Bankdaten für die Überweisung übermittelt, sondern für diesen Fall ein neues Bankkonto eröffnet, wo nichts drauf gewesen wäre…
In der offenen Garage, die auch als Haustüre dient, sieht Jo einen wirklichen Oldtimer mit einer geschwungenen Karosserie halb abgedeckt unter einem Bettlaken stehen. Auf Radnabe des Hinterrades kann Jo ganz ehrfurchtsvoll die Buchstaben RR entdecken. Ja, die nette ältere Dame bestätigt, es ist ein Rolls Royce aus England der hier in der Garage schlummert und noch fahrbereit gemacht werden muss. Unter dem weissen Bettlaken ist ein herrlicher Rools Royce Phantom III zu finden.
| Der Rolls Royce Phantom III war mit Einführung 1936 der letzte Rolls Royce vor dem 2. Weltkrieg, und der einzige bis 1998 der mit einem V12 Zylindermotor angetrieben wurde. Bis zur seiner Einstellung 1939 wurden 727 Fahrzeuge gebaut, von denen viele noch gut erhalten sind, bzw. noch restauriert werden können. |
Als Jo zusätzlich zu Manaaki noch 1’000 NZD zum Tausch drauflegt, erntet er nur ein fröhliches Lächeln der älteren Dame. Sie glaube, dass ihr Mann damit nicht ganz einverstanden wäre. Als alter Automobil Ingenieur liegt sein ganzes Herzblut unter dem weissen Bettlaken und der langen Motorhaube dieses Prachtstücks, das es nach der Restaurierung sicherlich auch werden wird.
Gut, haken wir das Geschäft mit Frau Brauer ab und wenden uns wichtigeren Dingen zu. Zum Beispiel dem Waipapa Point Lighthouse. Schauen wir doch nach, ob auch dieses Bauwerk immer noch an seinem Platz zu finden ist, wie vor 10 Jahren. Ist es! Unter strahlend blauem Himmel bei Postkartenwetter ist das strahlend weisse Waipapa Point Lighthouse immer noch am selben Ort zu finden. Und wie damals schon, so liegt auch heute hier am Strand ein einzelner Seelöwe träge im warmen Sand.
Nach einer guten Stunde Autofahrt stehen wir am legendären Slope Point, dem südlichsten Punkt auf Neuseelands Südinsel: Wir sind hier 337 km näher am Südpol als am Äquator. Dieser ist 5’140 km entfernt.
Nach einer weiteren Stunde kommen wir zum Ende unserer heutigen JoMa 2016 Südinsel Erinnerungstour, dem Curio Bay Campground. Hier tat sich um so mehr verändert. Der ehemals so kleine und recht einfache Campground ist einem grossen, auf mehrere Etagen angelegten Campground mit Vollausstattung gewichen. Statt der schmalen sehr einfachen Betonröhren von damals, die zur einfachen Küche und zur einfachen Duschis ausgebaut wurden, sind diese jetzt in einem grossen langweiligen Gebäude zu finden. Zwar stehen die alten, uns romantisch vorkommenden bunt bemalten Betonröhren immer noch, doch haben diese längst ausgedient.

Zuerst stellen wir uns auf den gelben Vierer, der aber der Verkehrte ist, wir müssen auf den Purple Vierer. Das ist unserer richtiger, aber doch recht merkwürdig zugeschnittener Stellplatz: Ein sehr schmaler, unebener Platz direkt am Kliff, der noch schräger und schmaler zuläuft. Wir machen das Beste draus, «klauen» der Nachbar-Site noch einen halben Meter und können so die phänomenale Aussicht auf die Küste und das Meer geniessen.
Wie schon am Lighthouse und dem Slope Point weht uns auch hier eine steife Brise um die Nase.
Nach einem windigen Küstenspaziergang macht Ma eine kleine Stärkung, bevor wir uns zu den Pinguinen aufmachen. Leider sind heute weder um 19 Uhr noch um 20 Uhr welche zu sehen und auch nicht am nächsten Tag um 12.30 Uhr. So ist das Wildlife nun mal. Dafür dürfen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang geniessen.

Etwas durchgefroren und durchgeweht kommen wir zurück in Manaakis warmen und windgeschützten Bauch. Die stürmische Brandung wiegt uns heute schnell in den Schlaf.



































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