Als Jo nach dem Klingeln des Weckers aus dem Fenster schaut, ist das Wetter wie bestellt. Wolkenloser blauer Himmel!
Wie er Ma es versprochen hat, ist Jo frühzeitig parat. Mit nur dem Zmorgekafi im Rucksack geht’s auf zu den Moeraki Bouldern. Obwohl es nur wenige Minuten zu fahren sind, wird Ma zusehens nervöser. «Wir kommen zu spät», mault sie das eine oder andere Mal. Bei den Bouldern angekommen «steckt schon es Schwiizer Fähndli» im breiten Sandstrand: Ein Paar aus St. Gallen ist schon dabei, den frühen Morgen mit Stativ und Profikamera auf Zelluloid zu bannen. Jedenfalls machte man das vor 40 Jahren so. Heutzutage sind die elektronischen Mainzelmännchen im kleinen Telefon alles, was man braucht. Bem sensationellen Anblick der grossen Steinkugeln im Morgenlicht ist Ma schnell wieder beruhigt und wir fötelen was das Zeugs hält.
Um unser Fotografenglück perfekt zu machen, taucht sogar die Sonne nicht wie von Ma erwartet hinter, sondern neben der Landzunge am Horizont aus dem Meer auf! Genauso haben wir uns das erhofft und vorgestellt.
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Die Moeraki Boulders sind keine gewöhnlichen Felsblöcke, sondern sogenannte Konkretionen. Ihre Entstehung begann vor rund 60 Millionen Jahren am Meeresboden. In feinen Sedimenten lagerten sich um kleine organische Kerne – etwa Muschelreste oder Pflanzenmaterial – über sehr lange Zeit Mineralien wie Calcit an. Schicht für Schicht wuchsen diese Kugeln langsam von innen nach aussen, vergleichbar mit der Bildung einer Perle, allerdings im Massstab von mehreren Metern. Ihre auffallend runde Form erklärt sich durch den gleichmässigen chemischen Ausfällungsprozess im umgebenden Schlamm. Die heute sichtbaren Risse entstanden erst später, als die Konkretionen austrockneten und durch Meerwasser erneut mit Mineralien gefüllt wurden. Sichtbar wurden die Moeraki Boulders erst durch Erosion: Wind, Wellen und Regen trugen das weichere umgebende Gestein ab und legten die härteren Kugeln frei. Ähnliche Konkretionen existieren weltweit, doch nirgends treten sie so konzentriert, gut freigelegt und leicht zugänglich auf wie bei Moeraki, was diesen Ort geologisch aussergewöhnlich macht. |
Nach den grossen Steinkugeln am Strand versuchen wir heute nochmals unser Glück bei den Gelbaugen-Pinguinen.

Hielt gestern einer dieser Wasservögel noch die Stellung auf dem Hügel, so ist heute leider keiner dieser lustigen Gestalten auszumachen. Dafür liegen heute Morgen die Seelöwen haufenweise überall herum. Bei manchen glauben wir fast, dass sie noch so wie gestern am Strand liegen, um die Sonne zu geniessen.
Als wir von der Boulder Foto- und Video-Safari zurückkommen, wird der Campground so langsam wach. Der zweite Kafi und die SuperBowl halten uns auf den Beinen. Der Vormittag zieht sich gelöst bis in den Nachmittag hin.
Um uns noch etwas zu bewegen, machen wir eine kleinen «Zug durch die Gemeinde». Auf der Hafenmole angekommen stehen wir vor dem Fleur’s Place. Mit Wehmut schauen wir durch die Fensterscheiben des geschlossenen Restaurants, in dem leider auch in nächster Zeit kein exzellentes Menü mehr serviert wird. Gemäss unserer Landlady steht das Lokal zum Verkauf und die Besitzerin verdient sich ihren Lebensunterhalt mit Kochen auf verschiedenen Touri-Schiffen (am Doubtful Sound?). Als wir nach oben auf die Terrasse mit dem grossen hölzernen Steuerrad schauen, läuft uns gedanklich das Wasser im Maul zusammen. An dieser Stelle sei mir ein Originaleintrag aus unserem damaligen Reisetagebuch erlaubt:
«Kaum war das „Zmörgele“ verdaut, fanden wir uns im wahrlich Feinschmecker Restaurant (es sei eine Schande, hier nicht eingekehrt zu sein, meinen die Reiseführer und Campingplatz-Verwalter unisono…) auf der Sonnenterrasse zum Zmittag wieder. Wie an der See üblich, gab es Variationen von Fisch mit leichtem Gemüse. Als Dessert Crème Brûlée und Raspberries auf Cream. Zum Abschluss in der herrlichen Sonne noch es Espresso und Cappucchino für die beiden.»
Wir spazieren weiter durch das Fischerdorf und an der Küste entlang hoch auf die Peninsula, bis wir am Whalers Memorial Lookout den wortwörtlichen Höhepunkt unseres Spaziergangs erreichen. Nach dieser Anstrengung müssen wir im Pub eine Erholungspause einlegen und uns mit einem kalten Bier erfrischen 🍻🤗
Nach dem Znacht hüllt sich Ma noch etwas in Schweigen, ob sie morgen vor dem Sonnenaufgang doch nochmals zu den Bouldern möchte. «Ja dann», entfährt es ihr am späteren Abend. Somit darf der Wecker uns morgen nochmals früh aus unseren Träumen erwecken…
















































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