Jo wird noch vor dem Klingeln des Weckers wach – und sieht nichts. Nicht weil es noch dunkel ist, sondern weil der Himmel voller Wolken hängt. So wird das nixx mit dem Boulder Sonnenaufgang am Meer. Drehen wir uns halt nochmals rum. Ma ist sofort dafür 🥱😴
Wo wir heute am Ende des Tages zum Stehen kommen, ist noch ungewiss, aber uns wird da schon was einfallen. Drei Jahre Reisegelassenheit können schon mal guttun.
Hier im Campground ist der Checkout nicht wie sonst üblich um 10 Uhr, sondern erst mittags um 13 Uhr! Nicht nur wegen Ma’s angefallener Arbeit nutzen wir das auch fast bis zum Ende aus. Die Sonne brätscht nicht ganz so arg vom Himmel, was für Jo sehr gemütlich ist.
Übermorgen möchten wir am Mt. Cook sein und auf dem Weg dorthin werden wir heute irgendwo unterkommen. Nach ein paar Kilometern biegen wir von dem HWY auf eine schöne kleinere Nebenstrasse ab. Hier an dieser Strecke liegt das «Valley of the Whales», die «Elephant Rocks» und noch ein paar Maori-Felsenmalereien. Auf dieser kleinen, kurvigen Strasse können wir die grüne, und immer wieder abwechslungsreiche Landschaft geniessen.
Der erste Stopp im Valley of the Whales entpuppt sich nur als eine Hinweistafel. «Naja, da hat Jo ja eine Supernebenstrecke ausgekundschaftet», denkt er sich.

Als wir bei den Elephant Rocks vorfahren, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: «Ja, klar, da waren wir schon mal. Auch die Schafe sind noch da!» 😁 Ma, kommt es schon längst bekannt vor. Klar, sie hat von beiden ja auch das Super-Hirni was das betrifft. 😉 In den vergangenen 10 Jahren haben sich die Rocks nicht gross verändert, nur die Kritzeleien auf einigen scheinen erheblich zugenommen zu haben.
Ein kleiner Umweg über eine Schotterstrasse führt uns dann doch noch zu etwas Neuem! Hier scheint der Name des Tals «Valley of the Whales» seinen Ursprung zu haben. In einer kleinen Ausgrabung wurden tatsächlich versteinerte Überreste eines urzeitlichen Wals gefunden.
Kaum zurück auf der Hauptstrasse, kommen wir auch schon zur Takoroa Rock Art Site. Die Maori-Felsenmalereien sind hier aber leider grösstenteils der Erosion und dem Menschen zum Opfer gefallen: Einige Stücke wurden herausgebrochen, um sie zu «konservieren» und in Museen auszustellen und leider habt sich auch hier schon so mancher Schmier- und Gravierfink verewigt.
Die letzten 30 km unseres heutigen Weges führt uns entlang des Waitaki River, der bei der Waitaki Power Station gestaut wird und ab hier den grossen Waitaki Staussee bildet.
|
Die Waitaki Power Station ist weit mehr als nur ein Kraftwerk – sie gilt als ein Meilenstein der Ingenieurskunst und als die Wiege des modernen Sozialstaats in Neuseeland. Erbaut wurde sie zwischen 1928 und 1934 am Waitaki River und war das letzte grosse Staudammprojekt, bei dem fast ausschliesslich von Hand über eine halbe eine Million Kubikmeter Material mit Pickeln, Schaufeln und Schubkarren bewältigt wurde. Technisch beeindruckt die Anlage bis heute: Sie war die erste in Neuseeland, die ohne Umleitung des Flusses gebaut wurde, und verfügt über keinen separaten Überlauf; bei Hochwasser läuft das Wasser einfach über die Krone. Während der Weltwirtschaftskrise diente der Bau als Arbeitsbeschaffungsmassnahme für über 1’200 Arbeiter, die unter extremen klimatischen Bedingungen lebten. Mit ihren sieben Turbinen liefert sie eine Leistung von 105 MW und ist das Herzstück eines Systems, das heute rund 18 % des neuseeländischen Strombedarfs deckt Besonders kurios: Da die medizinische Versorgung vor Ort durch ein genossenschaftliches Modell der Arbeiter finanziert wurde, diente diese Erfahrung als direkte Vorlage für Neuseelands wegweisendes Sozialversicherungssystem von 1938. |
Die drei einfachen Loch Laird Campgrounds beeindrucken durch die schiere Masse an Langzeit- und oder Jahres-Campern. Obwohl die Campgrounds eher einfacherer Natur sind, sind sie so gut wie vollgestellt. Viele der Plätze sind mit einfachem Sichtschutz abgetrennt oder haben «Grenzzäune» und man klebt förmlich aufeinander. Wir spüren sofort, dass wir uns hier nicht wohl fühlen, auch wenn es nur für eine Nacht ist.
Schliesslich beim dritten und letzten Campground finden wir fernab des Getümmels einen schönen Stellplatz für uns und Manaaki. Nur wenige hundert Meter entfernt sehen und hören wir die Benmore Hydro Power Station die den Waitaki River ein weiteres Mal staut. Bis zu unserem Übernachtungsplatz hören wir das Sirren der Turbinen.

|
Das Kraftwerk Benmore ist die zweitgrösste Wasserkraftanlage Neuseelands und ein beeindruckendes Beispiel für moderne Ingenieurskunst im Waitaki Valley. Während das ältere Waitaki-Kraftwerk noch mühsam von Hand erbaut wurde, markierte Benmore (Bauzeit 1958–1965) eine neue Ära: Es ist der grösste Erddamm des Landes und war zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung sogar der grösste seiner Art auf der gesamten Südhalbkugel. Der gigantische Damm staut mit dem Lake Benmore den flächenmässig grössten künstlichen See Neuseelands auf. Der See hat ein Volumen von 1,25 Mrd Kubikmetern und hat damit 1,5-mal mehr Volumen als der Hafen von Wellington. Ein technisches Highlight sind die sechs massiven, oberirdisch verlaufenden Druckrohrleitungen aus Spannbeton, die das Wasser zu den Turbinen führen und das Erscheinungsbild der Anlage prägen. Mit einer installierten Leistung von etwa 552 MW versorgt Benmore rund 300’000 Haushalte mit grünem Strom. Besonders strategisch ist seine Rolle als südlicher Endpunkt der HVDC-Inter-Island-Link. Hier wird der auf der Südinsel erzeugte Strom in Gleichstrom umgewandelt, um ihn über ein 610 km langes Kabel (einschliesslich der Cookstrasse) verlustarm zur bevölkerungsreichen Nordinsel zu transportieren. |




























Schreibe einen Kommentar