Als wir fast fertig zum Aufbruch sind, kommt Tom aus Norfolk, England, auf uns zu, um zu erfragen, ob wir nach Christchurch unterwegs sind und ihn dorthin mitnehmen könnten. Er war auf einer mehrtätigen, anstrengenden Weitwanderung in den Südalpen unterwegs, mit vielen Flussdurchquerungen und hat sich sein Knie verrenkt. Vorher hatte sich er bereits in Frankreich beim Skifahren die Kreuzbänder im Knie gerissen. Wenn er keine Drehbewegungen machen muss, geht’s ganz gut, aber bergrunter macht’s einfach weh. Jetzt möchte nach Hause und in England alles abklären lassen.
«Nein, wir fahren nicht nach Christchurch, sondern in Richtung Rakaia Gorge.» Jo kommt jedoch in den Sinn, dass hier in der Mt. Potts Lodge täglich die «Herr-der-Ringe-Nerd-Tour» einen Stopp einlegt, bevor es wieder retour nach Christchurch geht. Das wäre doch ganz geschmeidig, wenn sie einen Platz freihätten und Tom mitnehmen würden? «Klar, können wir machen», bekommt er am Telefon zur Antwort. Er muss nur die Tour für 300 NZD buchen, dann nehmen sie ihn gerne mit zurück…
Kurzerhand nimmt er bei uns vorne auf der Sitzbank Platz. Heute hätten wir noch mehrere Camper unterwegs aufsammeln können, doch unsere drei Sitzplätze sind damit schon ausgebucht…

Im schon bekannten Mt. Somers wird überlegt, wo es auf unserem Weg zur Rakaia Gorge am besten für Tom wäre, einen zielgerichteten Autostopp nach Christchurch zu machen. Nein, hier nicht, doch eigentlich wäre die Rakaia Gorge wäre perfekt. So bleibt Tom vorläufig in Manaaki sitzen.

Wir fahren also weiter auf der Scenic Inland Route, HWY 77. Normalerweise sind exklusive Lodges, wie diese an der Rakaia Gorge, eine gute Adresse für bessergestellte Tagestouristen, die von und nach Christchurch fahren. Doch hier ist ausnahmsweise nichts los. Besser passt da der Parkplatz am Trailhead zur Rakaia Gorge. Als wir Tom dort ausladen und er auch gleich den Daumen rausstreckt, kommt er nicht ohne Buen-Einladung zu uns in die Schweiz weg. So überlassen wir ihm seinem Schicksal, aber wer weiss, vielleicht sieht man sich nochmals wieder…

Wir finden ein wunderschönes Plätzchen für die Nacht mit herrlicher, weiter Aussicht aufs Tal und den – nach der engen Schlucht – breit mäandierenden den Rakaia Fluss. Noch ist es sonnig und warm, morgen soll es bewölkt und regnerisch werden.
Nach einer kurzen Stärkung machen wir uns auf dem Weg zum ersten Rakaia Gorge Lookout. Wir machen wieder unzählige Föteli, da heute das Wasser des Rakaia Flusses in wunderschönem Türkis erstrahlt. Schon fast typisch für diese Landschaft, fegen immer wieder stürmische Böen durch das breite Tal der Rakaia Gorge.
Unerwarteterweise bekommen wir für unser «JoMa Wohnkabinenprojekt» Hilfe aus der Schweiz angeboten. Jo klemmt sich freudig dahinter. Vielleicht ist ihnen das «Schweizer-Strassenverkehrsamt-Glück» doch ein wenig hold?
Wegen den stürmischen Böen aus der Schlucht, die auch am Abend immer wieder durchfegen, werden nicht nur wir in den Schlaf geschüttelt, statt sanft gewiegt.





















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