Als die Sonne kurz nach Sonnenaufgang im dichten Wolkenband ein Loch entdeckt, um durchzuschimmern, ist Jo auch schon als Fotograf zur Stelle. Doch statt gleich in den morgendlichen Zmorge Rhythmus zu verfallen, überprüft er erst noch einmal etwas seine horizontale Ausrichtung… Diese benötigt für gewöhnlich nochmals gute 1 ½ Std. 🥱😴🤗

Die übliche, tägliche Zmorge-Routine wird heute jäh durchbrochen: Schon als Jo gestern Abend, eigentlich schon zur Schlafenszeit, in einer äusserst spontanen Aktion angefangen hat, das Eisfach im Kühlschrank abzutauen (Ma kann da nur den Kopf drüber schütteln!), ist ihm aufgefallen, dass der Kühlschrank ratzeputz leer ist. Somit gibt es heute auch keine Zmorge-Routine. Allenfalls nur die, die zu einem heissen Kafi führt.
Nach einem kurzen Smalltalk mit unserer jungen deutschen Nachbarin packen wir zusammen. Der Hunger ruft.

Am breiten Rakaia River Valley machen wir nochmals einen kurzen Foto-Halt. Es ist faszinierend zu sehen, wie viel Platz die Flüsse hier in Neuseeland für sich einnehmen dürfen. Wenn wir dabei an unsere kanalisierten, geraden, künstlichen Flüsse in Europa denken…
Unterwegs werden wir immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass hier ein Radrennen stattfindet. Schliesslich sehen wir einen grossen Menschen- und Auto-Auflauf an der Waimakariri Gorge Bridge: Kreuz und quer und entlang des Flusses auf der Kiesbank stehen unzählige Autos und überall drängen Menschen zum Fluss.

Eine kurze Recherche im Internet lüftet das Geheimnis: Heute findet hier das Coast-to-Coast Rennen statt, eines der längsten Multisport-Events der Welt.

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Das Coast-to-Coast Rennen in Neuseeland ist ein berühmtes Multisport-Event (243 km), das am 13./14. Februar stattfindet. Die Strecke führt vom Kumara Beach (Westküste) über die Südalpen zum New Brighton Beach (Ostküste). Sie besteht aus Radfahren, Berglauf (Goat Pass) und Kajakfahren. Etappen (Gesamt ca. 243 km):
Das Rennen kann als „Longest Day“ (an einem Tag) oder über zwei Tage bestritten werden. |
Etwa 14 km weiter lassen wir uns im Café 51 im kleinen Oxford nieder und geniessen einen leckeren Brunch. Nebenbei diskutieren wir, wie unsere Camper-Vorstellungen weiter gehen sollen.
Für die tägliche Zmorge-Routine der nächsten Tage sorgen wir im Supermarkt gegenüber. Anschliessend geht es weiter dem Lewis Pass entgegen. Heute nur entgegen, nicht drüber hinweg. Nicht dass wir nicht können, doch dadurch würde der Fahrtag noch min. um 1 Std. verlängert werden.
Was für Ma selbstverständlich und vertraut ist, kommt Jo oftmals erst neu und unbekannt vor. Gerade so, als würde er manche Dinge zum ersten Mal sehen. So wie jetzt gerade, als wir am Balmoral Recreation Reserve Campground vorbeikommen, wo wir zur Wintersonnenwende am 21. Dezember Lani getroffen haben (die wir in ein paar Tagen besuchen möchten). Gerade jetzt kommt Jo sich wieder so vor, als stände er ohne Ma’s Orientierungssinn «etwas» auf verlorenem Posten.
An unserem heutigen Stellplatz in der Deer Valley Campsite murmelt sich der hier noch kleine Lewis River vorbei talabwärts. Der Hinweis, dass hier die kleinen blutrünstigen Sandflies ihr Unwesen treiben, bekommt erst kurz vor Sonnenuntergang so richtig Gewicht. Bis zu diesem Zeitpunkt werden wir den Plagegeistern mit den üblichen Repellent-Mitteln gut Herr bzw. Frau und geniessen den sonnigen Nachmittag am murmelnden Bach.
Ma entschliesst sich draussen in der schönen Natur den Kochlöffel zu schwingen. Sorgfältig eingesprüht und mit Socken, langer Hose und ihren roten, langärmeligen Baumfällerhemd bestens ausgestattet rührt sie fleissig mit dem Kochlöffel in der Pfanne herum. Plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, kommt der blitzartige Sandflies-Überfall. Nur ja schnell rein in Manaaki, alles dicht schliessen und lieber drinnen schwitzen, als draussen den kleinen Vampiren zum Opfer fallen.
Nach einer guten Weile ist Manaakis Bauch eine Blutsauger-freie Zone. Oder so gut wie. Zum Schlafen reichts (hoffentlich).
Es wird beschlossen, morgen nach dem Kafi das Weite zu suchen….






valentin cesar gessler
Bei diesem Rennen brauchen die Teilnehmer ihr eigenes Velo? Falls ja wie geht das?