Die Nacht können wir dank Jo’s siegreichem Kampf in Manaaki frei vor hungrigen Plagegeister:Innen 🦟🦟🦟verbringen. Bei diesen gierigen Blutsaugern ist es wie bei vielen anderen Insekten so, dass für diese Plagerei ausschliesslich die Weibchen verantwortlich sind. Weiter muss das hier nicht ausgeführt werden…
Wir sind die einzigen, die hier übernachteten – wahrscheinlich hat sich dies mit der Sandfly-Invasion rumgesprochen. Ausserdem gibt es hier keinen lästigen Checkout um 10 Uhr. Trotz der Abgeschiedenheit hat unser WiFi recht guten Empfang und daher arbeitet Ma bis der Kafi zur Neige gegangen ist. Schnell, bevor die Plagegeister wieder aktiv werden, wird alles zusammengepackt und abgereist. Heute steht mit knapp 200 km eine längere Etappe an.
Wie bereits gestern beschlossen, wollen wir das Frühstück unterwegs an einem hoffentlich etwas weniger von Sandflies dominierten Platz einnehmen.
Wir fahren über den Lewis Pass und halten auf der anderen Seite bei der nationalträchtigen Evision’s Wall.
| Die als „Evison’s Wall“ bekannte Betonmauer beim Lewis Pass ist eines der unscheinbarsten, aber wissenschaftlich bedeutendsten Denkmäler der neuseeländischen Geologie. Errichtet wurde die etwa 24 Meter (80 Fuss) lange Struktur im Jahr 1964 vom Geophysiker Frank Evison. Sein Ziel war es, eine fundamentale Frage zu klären: Bewegt sich die gewaltige Alpine Fault – die Nahtstelle zwischen der Australischen und der Pazifischen Platte – in einem stetigen, langsamen „Kriechen“ oder bleibt sie starr, bis die Spannung zu gross wird. Das Faszinierende an dieser Mauer ist aus wissenschaftlicher Sicht ihr absoluter Stillstand. Seit über 60 Jahren ist sie kerzengerade geblieben, ohne auch nur den kleinsten Riss oder Versatz zu zeigen. Was zunächst wie ein langweiliges Experiment wirken mag, lieferte den Geologen eine beunruhigende und zugleich wertvolle Erkenntnis: Die Verwerfung ist „verriegelt“. Anstatt den Druck der tektonischen Platten kontinuierlich abzugeben, sammelt die Alpine Fault die Energie über Jahrhunderte hinweg an. Wenn man heute vor der Mauer steht, blickt man im Grunde auf eine tickende Zeitbombe der Natur. Die Wissenschaft geht davon aus, dass sich die aufgestaute Spannung beim nächsten grossen Magnitude-8-Beben schlagartig entladen wird. In diesem Moment wird die Mauer, die seit Jahrzehnten starr ausharrt, innerhalb weniger Sekunden um schätzungsweise acht Meter horizontal auseinandergerissen werden. Damit ist Evison’s Wall ein stilles Mahnmal für die enorme Kraft, die direkt unter den Füssen der Besucher schlummert. |
Jetzt geht es dem Highway folgend immer etwas auf und wieder etwas ab. Die lange Strecke ist recht gut für uns, so werden Manaakis Batterien gut aufgeladen.
Während dieser Fahrt kommen wir immer wieder an verdorrten Bäumen, Randstreifen, Gebüschen und Wiesenstücken vorbei. Wie schon öfters bemerkt, werden hier in der neuseeländischen Natur starke Pestizide, wie z.B. das in der Schweiz verbotene Glyphosat, ausgebracht. Das lässt sich nicht mit dem immer grünen, sehr auf seine saubere Natur bedachten Neuseeland in Verbindung bringen, wie man es sich so vorstellt.
Der erste von Ma ausgespähte Übernachtungsplatz, das Wai-iti- Reserve ist ein kostenloser Freedom Campground mit viel Platz: Eine grosse Wiese mit Bäumen drum herum, mit allerdings nur einem einzigen kleinen Toilettenhäuschen, das auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Auf ganz so freies Campingleben verzichten wir dann doch gerne.
Nach einer Stärkung geht’s um die 10 km retour. Im alternativen Tapawera Campground werden wir schnell fündig. Hier ist zwar alles etwas «verwildert» und in die Jahre gekommen, aber alles hat seinen eigenen Charme.
Zur Begrüssung stolzieren zwischen den einzelnen Campsites ein paar neugierige Hühner herum, eine Ziege schaut auch mal interessiert vorbei und Julies Hunde streunen auch ab und zu durch den friedvollen Campground.

Mit einem tollen Sonnenuntergang, einem Regenbogen auf der anderen Seite und dem sonntäglichen Zoom-Meeting geht unser Tag friedlich und schön zu Ende.














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