Rund um den Spencer Gulf

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Wer glaubte, dass sich über Nacht etwas auf dem Campground getan hätte, muss ich leider enttäuschen. Nein, es haben sich keine weiteren Gäste in diesem ruhigen Campground eingefunden. Der Morgen ist mit 5 °C recht kühl. Jo glaubt, dass er wohl besser in langer als in kurzer Hose und mit Jacke, statt im T-Shirt zur Duschi wackelt. «Warum dauert das mit dem Warmwasser denn nur so lange?» fragt er sich, als er schon nackend in der Duschkabine steht. Das ist ja die reinste Wasserverschwendung. Vielleicht hat es eine längere Wasserleitung von der Therme bis in die Duschi? Als er glaubt, lang genug gewartet zu haben, dreht er den Wasserhahn wieder ab und sieht, dass hier im Campground das Warmwasser aus dem rechten, statt wie üblich und gewohnt aus dem linken Wasserhahn kommt. «Steht ja auch noch drauf, wenn auch etwas unleserlich», spricht er zu sich selbst. Der, der auch am frühen Morgen lesen kann, ist eindeutig im Vorteil.

Zum Morgen-Kafi wird Eneli etwas in die Sonne rollen gelassen. Die Abfahrt ist mit spätestens 10 Uhr vereinbart. Das Zmorge darf bei einem Stopp unsere dann hungrigen Bäuche füllen. Und zack, verlassen wir schon um 9 Uhr den kleinen Ort Port Neill. Schnell sind wir durch die kleine, mit ihren 211 Einwohnern noch ruhige Ortschaft durch. Geplant ist, dass die über 300 km lange Fahrt nach 190 km in Whyalla für den Zmorge- und Tankstopp unterbrechen.

Wie schon die letzten Tage, durchqueren wir grosse Getreidefelder, die nur durch den Flinders HWY durchbrochen werden. Die wenigen Fahrzeuge, die unterwegs sind, kommen uns auch noch meistens entgegen.

Wie ausgedacht und noch vor dem grossen Hunger, machen wir unsere Rast im kleinen Whyalla Playford Park vor den Toren der gleichnamigen Stadt.

Die Geschichte der Stadt Whyalla ist eng verbunden mit der Eisen- und Stahlerzeugung. 1901 wurde sie als Endhaltestelle der Eisenerztransporte aus den Middleback Ranges gegründet (bis 1920 trug sie den Namen Hummock Hill). Das Erz wurde mit der Fähre über den Spencer-Golf transportiert. Erst in den späten 1930er Jahren wurde in Whyalla ein Hochofen und eine Schiffswerft, zuerst nur für Kriegsschiffe, errichtet, was zu einem sprunghaften Wachstum der Stadt führte.

Mitte der 1970er Jahre hatte Whyalla den grössten Werftbetrieb Australiens, eine Kokerei, ein Stahlwerk und bis zu 33’000 Einwohnern und war die zweitgrösste Stadt in South Australia. Nach dem Einbruch der Schiffs- und der Eisen- und Stahlindustrie ging es ebenso schnell abwärts mit der Entwicklung und heute leben noch etwa 21.000 Einwohner in der Stadt.

Schon während der Fahrt brütet Ma über unsere Visa für Neuseeland. Sie findet eines, das uns 6 oder 9 Monate das Land bereisen lässt, jedoch findet sie nicht den Link zur Online-Application. Während Jo den zweiten Kafi kocht, befragt er schnell seinen neuen Freund ChatGPT. Dieser meint, dass ein normales Touristenvisum bis zu 6 Monate Aufenthalt in Neuseeland erlauben könnte. Hmmmh, ob dies so noch aktuell ist?

Weil Jo noch keinen Reisepass hat, könnte Ma es schon mal allein versuchen, für ein Visum anzufragen. Doch weil noch so einige Unbekannte vor uns liegen (klappt das auch mit dem Roadworthy, braucht es noch weitere Reparaturen, kommt die Anzahlung von Ramon & Tamara, wann wird der neue Pass von Jo zugeschickt und zum Schluss noch: wie und wo gestalten wir unsere letzten Tage hier in Australien, schliesslich wollen wir nicht 10 Tage Iris & Familie auf den Wecker fallen) ist Ma diese Aufgabe gerade etwas zu viel… Sie lässt sich den Link von Jo zeigen, registriert sich schon mal und wartet dann aber noch etwas weiter zu.

Ab jetzt heisst es, an der Küste den Spencer Golf bis zu seinem Ende nach Port Augusta hochfahren. Port Augusta kennen wir schon, als wir uns im Mai in umgekehrte Richtung nach Coober Pedy aufmachten… Ab hier heisst der Eyre HWY nun Augusta HWY.

Jetzt ist es nur noch eine knappe ½ Std. bis zu unserem Ziel. Als wir in die Horrocks Pass Road einbiegen, merken wir, dass diese Strasse ihrem Namen alle Ehre macht. Quasi von Meereshöhe führt die Strasse bis zur Passhöhe auf 500 m hoch – was für australische Verhältnisse schon eine rechte Ansage ist!

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Im Campground angekommen, sind wir noch die einzigen auf den non-power Sites. Was sich jedoch im Laufe des Nachmittags noch ein wenig ändern wird. War es schon am Mittag unten auf Meereshöhe recht heiss, so ist es hier oben nicht kühler. Zusätzlich zur schon fast heissen Temperatur werden wir hier von hunderten kleiner Fliegen umlagert. Es ist so störend, dass wir unsere schon gut verstauten Fliegennetze wieder herauskramen müssen.

Im schattigen Platz macht sich Ma doch schon recht bald an die Arbeit, einen ersten Schritt in Richtung Neuseeland zu machen. Sie setzt sich mit ihrem Visa-Antrag auseinander…

Als sich die Sonne tiefer neigt, fährt Pascal mit seinem 1975er Ford LTD über den Campground. Später in der Camp-Kitchen kommt er mit Jo ins Gespräch, als er merkt, dass da ein Schweizer vor ihm steht. Er selber ist in Basel geboren, aber schon vor mehr als 40 Jahren nach Down Under ausgewandert. Alle 2 Jahre besucht er seine Familie in Basel, fühlt sich dort allerdings nach ein paar Wochen doch recht «eingeengt». Ist halt nicht so leer wie in South Australia. Er ist 62 und konnte vor 5 Jahren aufhören zu arbeiten. Seitdem geniesst er sein Leben hier in der südlichen Hemisphäre. Stolz präsentiert er Jo sein Hobby: Er ist auf dem Weg nach Port Lincoln, wo sie vom «Car Club» am Wochenende ein Treffen mit Rundfahrt haben.

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Waren die letzten Tage tagsüber recht warm, so fielen die Temperaturen nachts doch wieder empfindlich ab. Heute ist es selbst am Abend noch recht angenehm. Morgen früh wird es wohl keine 5 °C haben. Morgen wisst ihr dann wie die Nacht so war…

 

 

 

 

 

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