Die Nacht war so warm, wie schon seit Monaten nicht mehr. Jo liest am Morgen Ramons Nachricht, dass Enelis Anzahlung von ihrer Bank abgelehnt wurde. Ihnen wird empfohlen, alles auf einmal vor Ort zu zahlen, und zwar erst, wenn sie das Auto in Augenschein genommen haben. So sind sie auf der sicheren Seite um nicht, wenn sie Pech haben, ohne Auto dazustehen. Als Ma diese Nachricht liest, will sie am liebsten alles rückgängig machen. So dass wir neue, vielleicht verlässlichere Käufer finden. Jo hält Ramon & Tamara die Stange in der Hoffnung, nicht enttäuscht zu werden. Dann wäre definitiv Schluss mit lustig beim Autoverkauf. Ramon & Tamara beteuern ihren Willen, Enelis neue Besitzer zu werden. Um in dieser Sache nicht kopflos zu werden, verlassen wir uns darauf!
Mit ein paar belegten Broten, etwas Cruditée (geschnipseltes Gemüse), Früchtebrot und Wasser im Rucksack brechen wir nur mit dem Zmorge-Kafi im Bauch zur Alligator Gorge auf. Doch vorher sind noch 17 km zu fahren in den Mount Remarkable Nationalpark hinein.
Kurz ausserhalb von Wilmington steht ein Schild, dass die nächsten 5 km recht steil werden und nicht für Autogespanne mit Anhängern geeignet ist. Und es stimmt, die letzten 5 km sind einer Kurzetappe der Tour de France ebenbürtig: In kurzen Wellen und Steigungen geht es um knapp 500 m auf 750 m rauf. Eneli meistert diese kurzen steilen Anstiege mit Bravour.
Oben angekommen geht es erst auf der 9 km langen Rundwanderung einmal in steilen Stufen wieder etwas runter… Unten tauchen wir in die kühle Feuchtigkeit der Gorge ein. Inmitten der steilen Felswände der Alligator Gorge fliesst immer noch ein kleines Rinnsal Wasser. Zu unserer Verwunderung tummeln sich in den oftmals sehr kleinen Pützen, Mulden oder kleinen Becken tausende kleiner Kaulquappen. Hoffentlich überleben sie den beginnenden Sommer…
Natürlich kommt Ma nicht umhin, immer wieder ihr Telefon mit ihrer Bestimmungs-App Seek zu zücken. Langsam, aber stetig wandern wir die Gorge hinauf. Die zuerst tiefe Schlucht wird immer flacher und schmaler. Ab und zu weht ein heftiger und kühler Wind durch die Schlucht. Dieser bringt uns eine willkommene Abkühlung und vertreibt für ein paar Augenblicke auch die immer lästiger werdenden Fliegen. Am Ende der Gorge macht der Weg einen weiten Bogen nach oben, um später in eine breite Schotterstrasse überzugehen, die recht steil nach unten führt. Nach gut 7 ½ km machen wir an einem Rastplatz unsere mehr als verdiente Pause.
Etwas abseits zwitschern zwei Magpies aufgeregt und hüpfen hin und her. Ein umherschleichender Waran ist die Ursache ihrer Aufregung. Dieser scheint sein Revier um den Rastplatz zu haben. Anscheinend fällt hier öfters was für ihn ab. Bei uns gibt’s aber leider nichts für ihn zu holen.
Ab hier ist es nicht mehr weit zu den Narrows. Wir sind jetzt an einer anderen Stelle der Alligator Gorge und gehen wiederum flussaufwärts zurück zum Parkplatz. Wie der Name Narrows sagt, ist es eine Engstelle in der Gorge. Auch dieser Teil der Gorge ist mehr als beeindruckend.
Fast am Ende der Gorge, als die steilen Stufen vom Anfang schon in Sichtweite sind, begegnen wir Daniel & Marlen. Sie haben schon Eneli am Parkplatz mit unserem CH-Kleberli bemerkt. Sie sind zusammen zwar auch auf vier Rändern unterwegs, aber jeder für sich nur auf zwei: Seit nunmehr 10 Monaten beradeln die beiden die Philippinen und Australien. Ende Jahr ist Schluss, dann soll’s wieder Heim gehen. Heim ist in ihrem Fall Belgien, obwohl Daniel aus dem Vorarlberg und Marlen aus Deutschland kommt.
Die steilen Stufen zurück zum Parkplatz fordern Ma ihre letzten Reserven ab. Auch Jo’s Kreislauf kommt ordentlich in Wallung, doch erholt er sich recht schnell wieder.
Im Campground brauchen wir als allererstes ein kaltes Bier! Das zischt förmlich in den durstigen Kehlen. War es während der Wanderung grössten Teils bedeckt, bricht jetzt zum Nachmittag die Sonne durch. Es ist heiss, trocken und voller Fliegen…
Als wir nach der innerlichen und äusserlichen Erfrischung in Enelis Schatten sitzen, kommen doch tatsächlich unsere beiden velofahrenden Bekannten Daniel & Marlen vorgefahren.
Schon gestern war die Campground-eigene Pizza der grosse Renner. Heute wollen wir vier uns auch von diesem italienischen Nationalgericht verwöhnen lassen. Während die Sonne tiefer sinkt, fallen auch die Temperaturen und die Fliegen, als umherschwirrende Plagegeister, nehmen kontinuierlich ab. Schön, dass diese Lücke nicht von den Mücken eingenommen wird. So können wir einen italienischen Abend mit Pizza, Salat und guten Gesprächen in der Muttersprache miteinander verbringen.

Daniel & Marlen sind zwar Veganer, die sich gesund ernähren, aber zu einem JoMa-Kaffee am Morgen sagen sie nicht nein.
Morgen steht für uns mit über 340 km eine längere Etappe an, schliesslich müssen wir in 5 Tagen bei Iris in Wangaratta sein. Und das sind immerhin noch knapp 1’200 km…


















































Valentin Cesare gessler
Was war die Geschwindikeit dieser Kango?
Mo
Es ging sehr steil bergauf, also ca. 30-40 km/h – aber immer noch sehr schnell und kraftvoll!