Wir sind froh, lässt der befürchtete Regen auf sich warten. Die vor dem Zubettgehen verpackten Tisch und Stühle kramen wir bei bestem Herbstwetter mit Sonnenschein sehr gerne wieder hervor. Auch wenn wir bis zur Fairway Bay Marina gut 2 Stunden zu fahren haben und auf dem Weg dorthin noch etwas einkaufen müssen, lassen wir es überaus gemütlich angehen. Obwohl heute «erst» Samstag ist, sind doch schon einige Familien und Jugendgruppen im Aufbruch. Vielleicht wollen sie den Sonntag vor dem Schulbeginn am Montag noch gemütlich nehmen? Uns soll es nur recht sein 😁
Am Laptop treffen wir erste Vorbereitungen für unsere Heimkehr in die Schweiz in 10 Tagen. Bankgeschäfte brauchen Weitsicht und ihre Zeit. Ausserdem muss Ma noch ein paar wichtige Dinge für IOBC-WPRS erledigen, die ihre ganze Aufmerksamkeit erfordern.
Mit ihren kleinen Zelten haben sich gestern ein paar Frauen mit ihren Kindern um uns herum platziert. Was für ein Unterschied, wenn für einmal keine Männer dabei sind! Männer müssen immer etwas machen. Rennen, surfen, spielen, Bier trinken und natürlich auch dauernd am BBQ stehen. Frauen dagegen lesen Bücher, rennen nicht ständig herum und brauchen auch kein grosses Gemeinschaftszelt, wo sich alle drunter versammeln. Bei Frauen geht es gemütlicher und bodenständiger zu und her.

Es ist früher Nami, als wir uns langsam in den Grossraum Auckland aufmachen. In der Fairway Bay Marina konnten wir einen kostengünstigen Platz mit Strom reservieren. Es sind nicht mehr viele Tage, in denen Manaaki unser Zuhause ist. Daher müssen wir beim Lebensmitteleinkauf schon darauf achten, dass auch alles wegkommt und wir nicht noch unendlich viele Reste haben. Wobei wir die letzten Tage in einem AirBnB verbringen werden, in dem wir die Küche mitbenutzen dürfen. Somit ist das Zmorge bzw. die SuperBowl schon gerettet 🤗

Im Umland um den Hafen wird sehr viel gebaut, was wir später von der Nachbarschaft bestätigt bekommen… In der Fairway Bay Marina scheinen wir die einzigen «Kurzparker» zu sein. Alle um uns herum stehen schon länger hier, wenn nicht sogar mit fester Wohnadresse. Naja, solche Campgrounds kennen wir schon. Hier müssen wir uns nicht gross in die Nachbarschaft einbringen. Diese «Permanents» bleiben am liebsten unter sich.

Und doch werden wir von unseren deutschen Nachbarn eingeladen, nach dem Znacht doch mal rüberzukommen. Jeden Samstagabend würden sie eine kleine Party machen. Sie entschuldigen sich schon jetzt für allfälligen Lärm und laden uns kurzerhand mit ein. Es gibt was vom Grill und für Getränke ist auch gesorgt.
Wir kochen uns erst unser eigenes Znacht und gehen dann rüber zur Party. Wir bringen unser eigenes Bier mit, was angesichts des Hochprozentigen, der auf dem Tisch steht, eine gute Entscheidung ist 😳
Jason & Annabell, weitere Nachbarn, leben mit 4 ihrer 10 Kinder in einem Truck mit aufgesetztem Seecontainer – mit eigenem, selbst eingebautem Bad, wie Jason mehrmals betont. Jasons Eltern und einer seiner Brüder leben auch hier – sein Vater ist im Rollstuhl, was auf einem Campground nicht wirklich einfach ist…

Unser direkter Nachbar Tobias aus Deutschland, lebt und arbeitet mit seiner Frau Eva seit ungefähr 3 ½ Jahren hier in Neuseeland in der IT-Branche. Vorher waren sie einige Jahre in Malaysia tätig. Tobias war bis vor kurzem in Auckland IT-Teamleiter in einer Firma, die für das Council arbeitete – er ist gerade auf der Suche nach einem neuen Job. Eva ist für eine global Company im gleichen Bereich tätig. So chillig wie Neuseeland für Touristen aussieht, so wenig ist es für »Zugezogene» ein Zuckerschlecken. Es herrsche sehr viel «Vetternwirtschaft» und die Arbeitsmoral seiner Mitarbeiter sei eher mässig, was diese allerdings als Gold verkaufen würden, meint Tobias. Das Land ist ein schöner – und vor allem weltpolitisch ein sicherer – Ort, an dem man viel unternehmen kann, aber die Löhne seien schon recht tief. In Verbindung mit der Arbeitsmoral und der vielen Vetternwirtschaft lässt es einen dennoch zweifeln, ob es für Nichtneuseeländer der richtige Ort ist, dauerhaft zu bleiben. Er und Eva sind gesuchte Fachleute und halten noch mindestens 1½ Jahre durch, bis sie die neuseeländische Staatsbürgerschaft beantragen können. Insgesamt wären sie dann knapp 5 Jahre hier in Neuseeland; gerade die rechte Zeit, mal wieder was Neues auszuprobieren. Australien?
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