Ludger, einer der Mitbesitzer dieser kleinen Hotelanlage, sieht sich interessiert Marthas Trittbrettproblem an. Ganz so nach Motto: „Schau mer mal, dann sehn mer scho.“ Was Jo bisher zu seinem Glück fehlte, war eine passende Schraube. Also eindeutig Schraube weg, statt Schraube locker. Die Fehlende liegt seit Weihnachten bei unserem kleinen rosa Märchenschloss als Schatz im Sand vergraben… Jo erklärt, wie alles kam und dass eigentlich nur eine Schraube und 2 helfende Hände zur Reparatur fehlen.
Ludger findet die passende Schrauben-Grösse in seinem Fundus. So machen sich die beiden an die Arbeit. Schon keine 10 Minuten später ist alles erledigt. Zur erfolgreichen Arbeit lässt sich Ludger gerne auf ein Bier einladen.
Jo erzählt den dem himmeltraurigen Silvester und fragt, was sie denn falsch gemacht hätten. «Ihr habt alles richtig gemacht», meint Ludger. «Das ist hier so. Genau wie an Weihnachten. Mittags geht die ganze Familie zusammen einkaufen, dann ab nach Hause zum Kochen. Abends wird die ganze Familie, nebst angeheirateter Verwandtschaft, zum Essen eingeladen. Man bleibt unter sich und feiert mit der Familie. Zum Jahreswechsel gehen alle zum Knallen und Böllern auf die Strasse. Aber auch hier bleibt man unter sich. Es wird nicht wie diheime aufs neue Jahr miteinander angestossen. Weihnachten und Silvester sind Familienfeste. Man geht nicht aus und bleibt zu Hause.»
JoMa sind froh, wissen sie nun, dass der «einsame Silvester» nicht an ihnen lag!
Beim verdienten Bier erzählt Ludger von seiner Arbeit als gelernter Steinmetz. Er ist immer noch stolz auf seinen Beruf und dieses alte Handwerk. Er war mit seinem kleinen Betrieb im Bereich Grabmalerei und Kirchenrestauration tätig. Jo weiss nun, dass so mancher Stein seinen Weg aus der weiten Welt per Schiff und monatelangem Transport ins beschauliche Iserlohn nach Deutschland genommen hat. Was Ludger während der Corona-Pandemie teilweise schlaflose Nächte, Ärger und Unverständnis seiner Kunden einbrachte. Er sei mehrmals ins Tessin gereist, um sich Steine des berühmten Tessiner Granits aus dem Maggiatal anzuschauen und zu kaufen. Vor einigen Jahren kamen die Steine per LKW und wurden ihm auf dem Hof geschüttet. Er brauchte nur das zu bezahlen, was brauchbar war, alles andere durfte er einfach behalten. Jetzt sei es anders. Nun werden die Steine einzeln in Styropor verpackt angeliefert. Er war froh, hatte er aus der alten Zeit noch vieles in seinem Lager, aus dem er kleinere Kunstwerke schaffen konnte.
Sein ganzer Berufsstolz sei, dass er an der im 2. Weltkrieg beschädigten Liebfrauenkirche in München beim Wiederaufbau mitmachen durfte. So wie es üblich bei solchen Arbeiten ist, bekam er nur die benötigten Steine von der Kirche gestellt und durfte die Arbeiten für «Gotteslohn» ausführen. Clever wie er war, hat er sich gut sichtbar für alle verewigt: Für seine Arbeiten hat er sich über den beiden grossen Säulen des Haupteingangs ein 8 m breites Relief ausgesucht. Für diese Arbeit rechnete und zeichnete er persönlich über 2 Monate an den notwendigen Plänen. Seine Arbeit wurde in das bestehende Mauerwerk eingepasst und durfte daher eine gesamte Toleranz von 10 mm nicht überschreiten. Nach einem Jahr Arbeit waren die Baumeister mit seiner Arbeit derart zufrieden, dass sie ihm auch noch ein grosses Rundfenster mit gut 9 m Durchmesser mit reichlichen Verzierungen anboten. Natürlich wiederum für «Gotteslohn». Doch das hätte dann doch die Kapazitäten und finanziellen Möglichkeiten seines kleinen Betriebes gesprengt.
Jo kennt noch aus seiner Zeit als Buchbinder in Deutschland in Iserlohn eine namhafte Buchbinderei mit einer Familientradition, die leider vor ein paar Jahren ihre Pforten für immer schliessen musste. So schliesst sich der Kreis von einem Steinmetz in Iserlohn hin zu JoMa als fahrendes Volk hier in Izamal.
Am späteren Nachmittag spazieren JoMa ins Stadtzentrum und bewundern die „Gelbe Stadt“ im schönen Abendlicht.
Warum Izamal gelb ist, ist nicht ganz klar. Es gibt verschiedene Theorien dazu:
- Zum Besuch des Papst Johannes Paul II im Jahr 1993 wurde die gesamte Stadt gelb gestrichen – eine der Farben des Vatikans.
- Gelb ist eine heilige Farbe der Maya. Die gelbe Farbe würde den Maya-Sonnengott Kinich Kak Moo (was so viel bedeutet wie Feuerara mit Sonnengesicht) ehren – dieselbe Gottheit, für die die Kinich Kakmó-Ruinen (bzw. die Pyramide in Izamal) gebaut wurden.
- Eine Theorie besagt, dass die Farbe Gelb während der spanischen Herrschaft gewählt wurde. Im katholischen Glauben symbolisiert Gelb die Gegenwart Gottes. So könnten die Spanier Gelb verwendet haben, um die Verschmelzung von Maya- und katholischem Glauben zu symbolisieren.
- Das Gelb und der Kalkstein sollen gut gegen Moskitos sein.
Die erste Erklärung scheint uns zwar die plausibelste, doch es gäbe Hinweise darauf, dass die Stadt schon vor diesem Ereignis gelb war. Vielleicht ist es auch einfach eine Mischung aus allem? Und schliesslich wurde es zu einem Marketing-Alleinstellungsmerkmal der Stadt, das heutzutage gerne weiter zelebriert wird 😉
Ma plagt schon seit ein paar Tagen «Halsweh und Pfnüsel“. Nach einem Aspirin vor dem Zubettgehen kann sie besser als zuvor schlafen.
Morgen sollte eigentlich Ma’s Brille in Merida fertig sein. Wenn alles gut geht, ist Ma am Nachmittag stolze Besitzerin einer neuen Brille. JoMa überlegen, wie es danach weiter gehen soll.





















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