Matakohe: Kauri Museum

Veröffentlicht in: Neuseeland, Nordinsel | 0

Es ist zwar schön angenehm ruhig hier, aber der Rest hält nicht, was er verspricht – statt wie auf dem Schild mit «Toiletten» vermerkt, gibt es zur Zeit nur gerade eine davon. Doch für uns allein reichts ja 😉

Trotzdem hält es uns hier nicht lange, es ist alles sehr nass und vor allem der Boden klebrig-lehmig: Wir entschliessen uns, heute nur mit einem Kafi und ohne SuperBowl loszufahren.

Auch heute sind wir nicht allzu lange unterwegs – was uns für das Ende der Reise sehr recht ist. Als wir losfahren, sind wir nicht weit von der Ostküste entfernt, als wir in Matakohe ankommen, sind wir Luftlinie um die 20 km von der Westküste entfernt. Somit könnte man in weniger als 2 Stunden von der Ostküste an die Westküste gelangen, was meist auch einen Wetterwechsel mit sich bringt.

Die grüne Landschaft mit ihren sanft hügeligen Wellen bei Waipu
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In Matakohe angekommen geht’s erst links auf den Parkplatz und rein ins Café zum verspäteten Zmorge. Nach dieser Stärkung gehen wir nur kurz auf die andere Strassenseite ins berühmte Kauri Museum.

Das Kauri Museum gilt als die grösste überdachte Besucherattraktion nördlich von Auckland und bietet auf über 4’500 m² faszinierende Einblicke in die Holz- und Harzindustrie des 19. und 20. Jahrhunderts. Die wichtigsten Ausstellungen & Highlights sind das funktionstüchtiges Dampfsägewerk mit beeindruckenden Maschinen und riesigen Kauri-Stämmen, sowie detailgetreue Rekonstruktionen von Wohnräumen aus der Kolonialzeit, inklusive antiker Kauri-Möbel sowie die weltweit grösste Sammlung von „Kauri-Gum“ (fossilem Harz), das oft als „Gold Neuseelands“ bezeichnet wird.

Schon auf der Fahrt hierher diskutieren wir, ob wir uns denn an den Ort hier erinnern, und wo wir denn damals vor 10 Jahren übernachteten und ob wir gleich nach unserer Ankunft in Auckland hierher kamen? Da gibt unser Reisetagebuch von vor 10 Jahren Auskunft: Wir kamen direkt von den Tölpeln aus Muriwai hierher.

Als wir vor dem Museum stehen, kommen uns keine Erinnerungen in den Sinn, auch als wir drin sind, nicht. Es soll sich so einiges innerhalb der letzten Jahre verändert haben, wird uns beim Empfang gesagt. Als wir nach einigen Schritten in die grosse Ausstellungshalle gelangen, kommen uns doch blitzartig Erinnerungen in den Sinn: «Genau, daran kann ich mich wieder erinnern», kommt es uns fast wie aus einem Munde.

Längsschnitt eines Kauribaumes mit 22.5 m Länge im Kauri Museum
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Hier in der grossen „Vounteers Hall“, ist immer noch ein 22.5 m langer Längsschnitt eines grossen Kauri Baumes aufgestellt ist. An einer der beiden Stirnwände sind die Durchmesser der grösten historischen und lebenden Kauribäume kreisrund skizziert.

Die grosse Holzscheibe in der Mitte der aufgezeichneten Baumumfänge kommt vom Balderston Kauri, dem Baum dessen Längsschnitt hier ausgestellt ist.

Die Reihenfolge von innen nach aussen ist wie folgt:

  • Balderston Kauri: Leider durch einen Blitzschlag 1987 abgestorben
    Durchmesser: 2.27 m, Umfang: 8.5 m, Höhe: 30 m
  • Tane Mahuta: Lord oft he Forest, weltweit grösster, lebender Kauri Baum
    Durchmesser: 4.91 m, Umfang: 15.44 m, Höhe: 45.20 m, Volumen: 255 m3
  • Te Matuha Ngahere: Father of the Forest
    Durchmesser: 5.22 m, Umfang: 16.41 m, Höhe: 37.40 m, Volumen: 208 m3
  • Kairaru: Leider bei einem Buschfeuer von 1886 gebrannt
    Durchmesser: 6.40 m, Umfang: 20.12 m, Stammhöhe: 30.48 m
  • Father of the Forests: Leider in den 1850ern abgestorben
    Durchmesser: 7.27 m, Umfang: 22.86 m, Stammhöhe: 21.34 m
  • Giant Kauri Ghost: Grösster jemals gemessene Kauribaum (1870ern)
    Durchmesser: 8.54 m, Umfang: 26.83 m, Stammhöhe: unbekannt

Kommt uns die Originalbaumscheibe des Balderston Kauri schon gross vor, so ist sie jedoch winzig im Vergleich zu den skizzierten Baumdurchmessern um sie herum.

 

Kauri Bäume sind wahre Giganten Neuseelands und zählen zu den massivsten Baumarten der Erde. Mit einer Lebensspanne von über 2’000 Jahren sind diese Urzeitriesen lebende Zeugen der Geschichte. Ihr bekanntester (lebender) Vertreter ist der Tāne Mahuta im Waipoua Forest. Für die Māori besitzt der Kauri eine tiefe spirituelle Bedeutung; er gilt als „Gott des Waldes“, der in der Schöpfungsgeschichte den Himmel von der Erde trennte, um Platz für das Leben zu schaffen.

Biologisch faszinieren Kauris durch eine besondere Überlebensstrategie: Ihre Rinde blättert ständig in kleinen Schuppen ab, wodurch verhindert wird, dass Parasiten oder Aufsitzerpflanzen am Stamm emporwachsen.

In der Vergangenheit war vor allem das goldfarbene Kauri-Harz heiss begehrt, das im 19. Jahrhundert massenhaft für die Herstellung von Lacken abgebaut wurde.

Eine Besonderheit ist zudem das sogenannte Sumpf-Kauri – prähistorische Stämme, die vor bis zu 45’000 Jahren in Mooren versanken und dort unter Luftabschluss so perfekt konserviert wurden, dass ihr Holz heute noch für exklusive Möbel genutzt werden kann.

Trotz ihrer Stärke sind die Bestände heute durch das „Kauri Dieback“, eine tödliche Wurzelkrankheit, bedroht, weshalb strenge Schutzmassnahmen und Reinigungsstationen für Wanderer in den Kauri-Wäldern Pflicht sind.

In unserem heutigen Campground, nur wenige hundert Meter vom Museum entfernt, haben wir die freie Platzwahl. Nicht dass wir die Einzigen sind, aber viele Gäste sind wir nicht.

Bis zum Znacht geniessen wir den herrlich warmen Sonnenschein. Bis zum Abend kommen noch ein paar weitere Übernachtungsgäste hinzu.

 

 

 

 

 

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