Puebla, ein teures Pflaster

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Es wird ein sonniger Tag. Am frühen Morgen ist kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Ma hat viel Arbeit und möchte noch einen Tag hierbleiben. Die Reiseplanung verträgt das schon… Bevor JoMa sich nochmals auf zur grössten Pyramide der Welt machen, arbeitet Ma noch erst das Wichtigste ab.

  • Martha mit den Nachbarn aus Frankreich auf unserem Parkplatz vor der Pyramide mit der Kirche der Señora de los Remedios
    Martha mit den Nachbarn aus Frankreich auf unserem Parkplatz vor der Pyramide mit der Kirche der Señora de los Remedios

Hier in Cholula steht zwar nicht die höchste Pyramide der Welt, aber von der Grundfläche bzw. dem Volumen her schon.

Anmerkung der Redaktion:
Das vorhispanische Bauwerk hat ein Volumen von etwa 4.45 Mio. Kubikmetern mit einer Grundfläche von 450 × 450 m. Allerdings ist es mit der jetzigen Höhe von 66 m deutlich kleiner als die Cheops-Pyramide in Ägypten und auch vier Meter niedriger als die Sonnenpyramide in Teotihuacán. Die Ausgrabungen zeigen jedoch, dass sie früher höher gewesen sein muss. Die oberste der vier Plattformen, auf der jetzt eine Kirche steht, ist sehr gross und auch die untersten Stufen liegen noch einige Meter unter dem heutigen Erdboden.
Nach der spanischen Eroberung wurde im 16. Jahrhundert auf der Pyramidenspitze die Kirche „Iglesia de Nuestra Señora de los Remedios“ errichtet. Es ist nicht abschliessend geklärt, warum die Pyramide heute eher einem dicht bewucherten Berg gleicht als einem Bauwerk von menschlicher Hand. Einige Quellen berichten, dass Hernán Cortés sie zuschütten liess und mit den Steinen einiger nahegelegener kleinerer Pyramiden die christliche Kirche „Santa Maria de los Remedios“ auf ihr errichten liess. Die Reste der kleineren Pyramiden in der direkten Umgebung sind von der Kirche aus noch sichtbar. Andere Berichte sagen, dass die Pyramide bei Cortés’ Ankunft bereits nicht mehr als solche erkennbar war und er diese deshalb auch nicht zerstörte.

Hier in dieser Pyramide hat es einen Grabungstunnel, in dem die geschichtliche Abfolge um die Erbauung ersichtlich ist. Warum dieser auch heute geschlossen ist, weiss niemand. Vielleicht können wir ja ein tolles Foto von Kirche und wolkenfreiem Popocatepetl machen, ausserdem das einzige freigelegte Treppenstück der Pyramide bewundern. Leider klappt beides nicht. Werder ist der Vulkan Popocatepetl wolkenfrei noch kommen wir zu dem Treppenstück. Ein Zaun verwehrt uns den Zugang.

Jetzt wollen JoMa nach Puebla rein, um Jo eine neue dünnere Daunenjacke zu kaufen. Hier in einem Einkaufstempel soll es eine geben. Hat Jo im Internet recherchiert. Ma möchte sich auch nach Schuhen umschauen. Wir starten. Nach 50 m fragt Ma, ob nach links abgebogen werden kann. Google meint nein, aber es steht kein Verbotsschild. Schon nach 20 m merken die beiden, dass sie entgegen einer Einbahnstrasse fahren. Drehen geht leider nicht, zurücksetzen auch nicht. Jo fährt die restlichen 50 m weiter. Alles geht gut. Kein Unfall oder sonstiges. Nach der Einmündung geht es wie vorgesehen weiter. Da ertönt die Trillerpfeife des jungen Verkehrspolizisten David Castillo. Führerschein und Fahrzeugpapiere. Das ist alles in Ordnung. Nun erklärt er, dass wir einen Fehler gemacht haben und er uns nun die Nummerschilder abmontieren muss und wir diese morgen Vormittag auf dem zuständigen Revier wieder einlösen könnten. Wo und wie wir Martha abstellen können, bleibt ein ungeklärtes Rätsel. Es wird viel hin und her gesprochen. Ma ist als Dolmetscherin immer verzweifelter. Wie hoch denn die Busse letztendlich sei? Der Verkehrspolizist schreibt auf einen Zettel 4’500 Pesos. Was umgerechnet ca. 240 CHF entspricht. Er kann da nichts machen. Wir sind von einer Kamera aufgenommen worden und ihm seien da die Hände gebunden. Wenn wir jetzt die Busse hier vor Ort bezahlen können, müssen wir morgen nicht aufs Revier und auch nicht noch die Verwaltungsgebühren bezahlen. Uns schwant immer mehr, dass wir hier abgezockt werden. Wir haben einen schweren Fehler gemacht, daran gibt es nichts zu rütteln. Das weiss Señor Castillo auch, und damit bekommt er uns. JoMa legen alles zusammen was sie in ihrem Hosensack haben und übergeben es seinem Hosensack. Wir wissen nicht, wie teuer und aufwendig der richtige Ablauf gewesen wäre. Ist jetzt auch egal. Hauptsache die Sache ist damit erledigt! Ma’s Nerven liegen blank. Sie war als Dolmetscherin schon recht gefordert.

Wir entscheiden, doch noch weiter zum Einkaufstempel zu fahren. Vielleicht findet sie ja etwas zur Ablenkung… Schon beim Betreten merken JoMa, dass dies die Bahnhofstrasse von Züri ist. Nur hier weit weg und alles unter einem Dach. Gucci, Rolex, Louis Vuitton, Prada, etc. – alles da!

Jo findet eine neue Jacke schon nach 3 Minuten. Doch irgendwie sind beide nicht so richtig glücklich und gut gelaunt. Ma hat Durst, findet aber nicht das richtige und macht noch einen kurzen Abstecher an die Schuhwand. Es gefällt keiner. Sie möchte nur noch nach Hause. Doch vorher muss irgendwo noch etwas Bargeld aufgetrieben werden. Das klappt auch erst im dritten Anlauf richtig. In Martha angekommen fragt Jo, ob wir hier etwas stehen bleiben sollen, um die Nerven etwas zu beruhigen. Etwas den Durst löschen oder so. So richtig kommt keine Antwort.

Jo ruft Hannah diheime an. In Koblenz ist es schon fast 22 Uhr und Schlafenszeit. Hannah sieht den Vorfall etwas pragmatisch, so wie es ihre Art ist «Papa, da könnt ihr jetzt eh nichts mehr machen.» Wir stehen in der prallen Sonne und haben Fenster und Türen geöffnet. Eine umherfahrende Polizeiaufsicht fordert Ma auf, dass wir doch bitte Fenster und Türen (ab-)schliessen sollen. Hier seien schon bewaffnete Überfälle vorgefallen. Jetzt ist Ma restlos mit den Nerven fertig.

Wir verabschieden uns bald von Hannah und Sebastian und verlassen den unsicheren Parkplatz. Anscheinend haben JoMa doch zu lange telefoniert. Das Parkticket kommt aus der Schranke als ungültig wieder heraus… Auch das noch! Die herbeieilende Security Dame telefoniert kurz und dann öffnet sich auch schon die Schranke. Uff. Es hat doch auch Vorteile, dass hier bei diesen Parkplatzschranken jemand dafür bezahlt wird, den ganzen Tag da zu stehen und allenfalls helfend einzugreifen.

Hier ein Foto so eines „gelangweilten“ Herrn, der den Job hat, beim Parkplatzausgang die Tickets in den Automaten zu schieben:

Am Parkplatz angekommen muss ein Bier und ein paar Lieblings-Chips zur Beruhigung her. Doch der Schrecken sitzt tief, die Stimmung hellt sich nicht mehr gross auf…

Heute ist der 12.12. Schon seit Tagen sehen wir Prozessionen in den Städten und auf den Strassen. Heute findet das wohl wichtigste Fest der Mexikaner statt, der „Día de Nuestra Señora de Guadalupe“ (Tag der Jungfrau von Guadalupe). An diesem Tag finden zahlreiche Prozessionen statt und Zehntausende Gläubige aus ganz Lateinamerika pilgern zum Berg Tepeyac in Villa de Guadalupe, um ihrer Schutzpatronin zu gedenken. Früher wurde auf diesem Berg die Göttin Tonantzin von den Azteken verehrt. Es klöpft und dätscht schon die gesamten Tage. Wie an Silvester werden Feuerwerke Tag und Nacht über gezündet und Böller krachen um uns herum. Unser Parkplatz grenzt direkt an einen Festplatz. Es tönt Musik, bling-bling flackert es den ganzen Tag bis weit in die Nacht hinein…

Morgen fahren wir ins Tehuacán – ins Cuicatlán Biosphären Reservat. Dort werden wir auch übernachten.

 

 

 

 

 

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