Kängurus als Golfplatzrasenmäher?

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Am frühen Morgen, bevor die grosse Hitze kommt und der Rasenmähermann den Golfplatz mäht, sind ungefähr 20 Kängurus im Green verteilt am äsen – sie lassen sich das noch taufrische Gras auf der Zunge zergehen. Nur ab und an schaut eines in die Ferne, ob auch keiner zu Nahe kommt. Sonst sind sie friedlich, grasen und hoppeln ein wenig herum. Das eine oder andere kratzt sich am Bauch.

 

Als die Sonne immer höher steigt, suchen wir ständig an einem anderen Ort etwas Schatten. Bevor es uns zu heiss wird, machen wir uns auf die Socken, um in einem anderen Naturbad eine Abkühlung zu finden.

  • auf der langen Golfbahn äest am frühen Morgen noch friedlich eine Känguru Familie
    auf der langen Golfbahn äest am frühen Morgen noch friedlich eine Känguru Familie

Doch zuerst müssen noch die Lebensmittelvorräte ergänzt werden – die nächsten Tage sind wir voraussichtlich im Outback, ohne viel Infrastruktur. Wir fahren kurz etwas zurück und kehren in Queenslands höchstgelegener Stadt ein für ein Shoppingerlebnis. Ravenshoe ist mit etwas mehr als 900 Einwohnern nicht sehr gross, so ist auch das Shoppingerlebnis eher klein…

  • Ravenshoe Downtown
    Ravenshoe Downtown

Es wird über Tag immer wärmer, so dass wir statt wie ursprünglich geplant bei den Hot Springs in Innot ein heisses Bad zu nehmen, eine Abkühlung im kühlen Fluss bei den Millstream Falls suchen. Die liegen auf dem Weg. Mit Badezeug bewaffnet geht’s los. Doch von hier gibt es nur einen kleinen Aussichtspunkt. Der Weg hinunter zum Fluss ist zu steil und durch hohes (schlangenverseuchtes?) Gras. Wir lassen dies mit unseren Badeschlappen besser bleiben…
Am Parkplatz wieder zurück, kommen wir mit 2 Parkrangern ins Gespräch. Einer von beiden kommt aus Paris und kann daher etwas mit dem CH Kleberli an Eneli anfangen. Wir diskutieren über die Klimaerwärmung, die ganzen Waldbrände (australische Firefighters waren letztes Jahr in Kanada zu Trainingszwecken) und dass es letztes Jahr direkt nach den grossen Wald- und Buschfeuern sehr schwere Überschwemmungen gab. Gegen Feuer können sie etwas unternehmen, aber gegen Überschwemmungen sind sie machtlos…

Beide empfehlen uns, doch direkt hier in der Nähe im Millstream Fluss beim «Soldier Point» ein kühles Bad zu nehmen. Nur etwa 700 m von hier. Das machen wir! Wir wackeln dem Weg entlang. Es soll Schlangen auf dem Weg haben. Unsere Wanderstöcke helfen gut, um im Gras nach diesen Ausschau zu halten bzw. sie allenfalls abzuwehren. So wackeln wir immer schön auf dem Weg bleibend los. Am Ende das Wegs ist ein Wendehammer, aber kein Weg zum «Soldier Point». Hmmmh. Nach etwas Suchen wird der Trampelpfad gefunden. Wir hören es rauschen, sehen aber weder River noch Badepool. Naja, denken wir uns, als wir angekommen sind. Ist jetzt nicht der Brüller. Aber wo wir schon mal hier sind. Ausserdem sind wir ganz alleine und keine kreischenden Kinder um uns herum. Oder Busladungen von Schülern die überfallartig alles in Beschlag nehmen. Trotz der Strömung ist es nicht zu kalt, sondern genau richtig für eine Abkühlung. Ein fernes Gewittergrollen treibt uns schliesslich aus dem Wasser und zurück zum Parkplatz, bevor ein grosser Schauer niedergeht.

  • Millstream Falls
    Millstream Falls

Jetzt brauchen wir nur noch dem Savanna (High-)Way weiter zu folgen. Als wir bei Innot bei den Hot Springs vorbeifahren, sehen wir, dass diese trotz der Hitze gut besucht sind. Es ist noch eine Stunde zu fahren. Wir sollten entspannt am Nami im Discovery Resort Undara ankommen. Nach einer kurzen Tank-Pause und Stärkung mit Früchtebrot geht es gemütlich weiter.

Plötzlich mitten im «Nowhere»: eine Strassensperre. Ein Polizeifahrzeug steht quer auf beiden Fahrbahnen. Überall blinkende Blaulichter. Links steht ein Rettungsfahrzeug, etwas abseits ein Helikopter. Wir sehen einen Truck, der in einen Baum gefahren ist. Das Fahrerhaus ist total zerstört. Ohne grosse Schreierei und hektischen Gewusel arbeiten Rettungssanitäter, Feuerwehr und Polizei Hand in Hand. Es scheint schon alles erledigt zu sein. Auf einmal sind mehrmals die Schmerzensschreie des verletzten Fahrers zu hören. Er musste anscheinend aus der Fahrzeugkabine herausgeschnitten werden. Vorsichtig wird er durch mehrere Rettungskräfte auf einer Trage zu einem bereitstehenden Rettungswagen gebracht. Zum Schluss kommen noch Unfallermittler, die den Unfallhergang untersuchen und rekonstruieren. «Was mag da wohl passiert sein», fragen wir uns. Am Steuer eingeschlafen, am Handy rumgespielt, telefoniert?…

Die Rettungsfahrzeuge fahren weg und der Helikopter hebt mit einer grossen, roten Staubwolke ab. Das Ganze dauert etwa 1 1/2 Stunden. In Australien ist es üblich, die Strassen bei einem Unfall komplett zu sperren und den Rettern Platz und Zeit zu lassen. Da Umfahrungen sehr, sehr weit sein können, bleibt allen nur das Warten.
Als die Polizei schliesslich wieder eine Fahrspur freigibt, sehen wir Reifenteile auf der Fahrbahn liegen. Scheinbar ist ein Reifen geplatzt. «Wie schnell es mit dem Glück vorbei sein kann», gibt Jo nachdenklich von sich. Hoffentlich hat der Fahrer Glück und ist doch nicht allzu schwer verletzt… So etwas macht betroffen, auch ohne selbst daran beteiligt gewesen zu sein.

Hier ein kleines Video, wie gross bzw. lang sogenannte „Road Trains“ in Australien sein können:

 

Ernüchtert wird der letzte Teil der heutigen Fahrt fortgesetzt. Einsam liegt der schnurgerade Highway vor uns. Nicht mehr in den stetigen Wellen, sondern so flach, dass wir die Hitze auf dem Asphalt flimmern sehen. Der eigentliche Weg zu unserm Campground führt durch den Undara Volcanic Nationalpark. Da es schon bald Dämmerung ist, sehen wir viele Tiere. Gemächlich fahren wir an neugierigen Kängurus, mageren Rindern und grossen Vögeln vorbei. Einer der grossen Vögel ist eine Wammentrappe, Australian Bustard (Ardeotis australis). Elegant stolziert das Tier von dannen…

 

«So ähnlich muss es in Afrika sein», denken sich die beiden. Trockene Graslandschaften durch wenige Bäume durchbrochen, ein paar dürre, fast blattlose Bäume und viele grosse Termitenhügel in unterschiedlichen Formen und Farben.

Das Office ist nicht mehr besetzt, stattdessen ein grosses Schild auf dem Tresen: «Out of season, closed for 2024”. Alles ist geschlossen?! Bar, Restaurant, Bistro. Auch Touren werden nicht mehr angeboten. Aber wir haben doch eine Reservation. Aha, der Campground ist noch geöffnet. In einem Briefumschlag für uns auf dem Tresen finden wir alle wichtige Hinweise.

  • End of Season 2024
    End of Season 2024

Nur ganz vereinzelt sehen wir andere Camper scheinbar lose über den Campground verteilt stehen. Friedlich hüpfen ein paar Kängurus vorbei. Neugierige Vögel machen es sich neben uns bequem. Scheinbar warten sie darauf, dass etwas für sie von unserem Essen abfällt.

 

Ein kleines Wallaby hüpft ohne Eile zwischen uns hindurch. Zikaden zirpen in der Nacht und der Wind rauscht durch die Bäume. Sobald die Sonne weg ist, kühlt es angenehm ab. Moskitos hat es keine – was für ein angenehmer Ort! Hier bleiben wir gerne zwei Tage.

 

 

 

 

 

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