Gingen wir die letzten Tage dick eingepackt ins Heihabettchen, war es diese Nacht so warm, wie es sonst die letzten Tage noch nicht einmal tagsüber war. Schön und erholsam können wir so die Nachtruhe geniessen.
Wurde der Wecker gestern Abend wegen der heute angedachten langen Wanderung erst auf 5.45 Uhr gestellt, so wurde später entschieden, ihn doch ganz abzustellen; die lange Wanderung mit 11 km erschien Ma etwas zu lange, da sie an der Ferse wegen der Kälte der letzten Tage einen schmerzhaften Riss hat. So wurden wir heute ganz ohne Wecker-Geläut so um halb acht wach. «Setzen wir uns doch traditionell mit unserem Kafi bei Sonne an den Strand», ist der gemeinsame Tenor.

Kaum sitzen wir mit Kafi bewaffnet in unseren Stühlen am Strand, um das ruhige, flache Meer zu bewundern und uns von der warmen Sonne verwöhnen zu lassen, taucht eine junge Familie aus Singapur mit 2 kleinen Mädchen am Strand auf. So wird aus dem kurzen Kafi am Strand ein langer Kafi am Strand. Was uns allerdings nicht weiter stört. Auch wenn die lange Wanderung gestern gestrichen wurde, so machen wir heute die Wanderung, die die meisten Touris hier machen: Der Lookout zur Wineglass Bay ist unser Ziel. Hin und zurück so um die 1 ½ Stunden. Wenn wir noch weiter zum Strand der Wineglass Bay runter gehen, wird’s noch eine Stunde mehr. Das ist doch unsere Kragenweite. Bis zum Startplatz der Wanderung müssen wir erst noch gut 4 km fahren. Tisch uns Stühle bleiben hier, der Rest wird nur notdürftig verräumt. Als wir um 11 Uhr ankommen, sehen wir, dass wir nicht die einzigen sind, die hier unterwegs sind. Aber alles easy-peasy. Parkplätze sind noch genügend frei.
1000 Treppenstufen sollen es sein. «Das ist 2x den Kölner Dom rauf», meint Jo, «bis dort oben sind es 533 Stufen». Als waschechter Kölscher Jung muss man so etwas einfach wissen. Kaum haben wir die ersten Stufen hinter uns gelassen, kommt uns eine grössere Wandergruppe schon wieder entgegen. «Es sind noch 143 Stufen», wird uns von einem Wanderer vorausgesagt. Naja, das macht den Braten auch nicht mehr fett…
Irgendwie haben es die Tasmanier mit den Wegzeiten gut gemeint. Statt nach 40 min. kommen wir schon – ohne zu Hetzten – nach gut 25 min. am Lookout auf die Wineglass Bay an. Schön, ist nicht so viel los hier oben. Eine Wanderin macht von uns ca. 20 Fotos, von denen wir vielleicht 2 geberauchen können. Ist halt nicht jeder zum Fotografen oder zur Fotografin geboren 😉 Nachdem uns dieser Teil nicht so anstrengend gefordert hat, beschliessen wir, auch noch 1 Std. dranzuhängen und runter an die Beach der Wineglass Bay zu gehen. Unsere Fotografin fragt, ob wir auch noch weiter runter zum Strand gehen. Sie scheint froh zu sein, dass es so ist. Gestern war sie 6 Stunden unterwegs und fühlt sich heute nicht ganz so fit. Wir glauben, dass sie froh ist, jemanden als «Rettungsanker» in der Nähe zu wissen.
Der Weg runter an den Strand ist schon anspruchsvoller als der erste Teil. Er ist kürzer und wesentlich steiler mit auch wesentlich mehr Treppenstufen. «Naja, wenn wir das wieder raufgehen, wird das ganz schön in die Beinchen gehen…»
Es sie ein sehr schöner Platz unten am Strand, sagt uns eine entgegenkommende Familie. Als wir unten ankommen, ist das auch nicht ganz so von der Hand zu weisen. Aber umwerfend ist es jetzt nicht. Da hatten wir an der Stumpys Bay einen schöneren Strand. Für unsere Pause ist es uns hier zu voll. «Also, was machen wir, zurück oder doch noch die grosse Runde mit den insgesamt 11 km drehen?» Die Zeit sollte reichen, auch gemütlich die ganze Runde zu machen. Ausserdem geht es den Füssen, den Knie- und Hüftgelenken (noch) gut. Also beschliessen wir, weiterzugehen.
Wir wandern gut 2 ½ km quer über die Halbinsel bzw. über den Isthmus zur Hazards Beach. Liegt die Wineglass Bay zum offenen Tasmanischen See hin, liegt die Hazards Baech in einer grossen Bucht. Der Unterschied ist an dem Wellengang ersichtlich. In der Hazards Beach ist es ruhig, wie in einem See. Hier sind nur sehr wenige Wanderer und Badelustige unterwegs. Für uns der richtige Ort für unsere Rast.
Jetzt sind es noch gut 5.5 km bis zum Parkplatz zurück. Ein grosser Teil des Weges verläuft gleich neben den Klippen, doch ein schmaler Streifen Gebüsch verdeckt stets die Sicht. Nur ab und zu gibt es einen Platz, an dem es freie Sicht auf das Meer und die Bucht hat. Nach der halben Strecke lassen doch unsere Kräfte etwas nach. Unsere Fotografin ist auch immer mal wieder in Sichtweite vor uns unterwegs. Auf dem letzten Kilometer kommen wir an einer grösseren jungen Wandergruppe vorbei. Sie sind wie eine Ziehharmonika unterwegs. Fast laufen sie uns mal in die Hacken rein, dann bleiben sie wieder stehen. Wir sind froh, als wir bei Eneli am Parkplatz ankommen.
Weil wir doch noch nicht ganz ausser Puste sind, machen wir uns noch zum Cape Tourville Lighthouse auf. Dort gibt es einen einfachen, kurzen 20-minütigen Spazierweg um den Leuchtturm mit einer grandiosen Aussicht auf die Wineglass Bay und das Meer. Ein kurzes Stück der Strasse dorthin wird es so steil, dass wir in Eneli sogar in den 1. Gang schalten müssen, um weiterzukommen. Wir haben das Glück der tüchtigen Wanderer, so dass jetzt wieder die Sonne scheint und wir eine wirklich grandiose Aussicht geniessen können. Auch diese Wegzeit ist schon seeeeehr grosszügig bemessen.
Im Campground verwöhnen wir uns erst mit einem kalten Bier, danach mit einer erquickenden Duschi. Wie auch schon gestern, wieselt auch heute ein unerschrockenes Opossum uns beim Znacht um und durch die Beine.
Wenn es keine Wolken am nächtlichen Himmel hätte, könnten wir jetzt gut die Aurora Australis am Himmel erkennen. Ma’s App sagt dies jedenfalls so. Tatsächlich gelingen ihr, trotz der Wolkendecke, ein paar beeindruckende Fotos.

Pünktlich, als hätte der Wettergott ein «Schweizer Ührli» am Handgelenk, prasseln um 22 Uhr die ersten Regentropfen auf Enelis Dach herab. Gut, dass wir alles schon verräumt haben!
Ursprünglich hatten wir für 3 Nächte hier reserviert, doch eigentlich möchten wir schon morgen weiterziehen.
Spät abends, als Ma zum Zähneputzen raus geht, erschrickt sie plötzlich, als sie in der Dunkelheit mit der Taschenlampe den Weg zurück zu Eneli sucht: Auf einem Pfahl neben unserer Campsite sitzt ein Eulenschwalm, auch Froschmaul genannt, der sich vom Licht der Taschenlampe überhaupt nicht irritieren lässt. Toll, ihn so von der Nähe beobachten zu können! Ma ist absolut fasziniert von diesen Vögeln 🤩



























Valentin Cesare gessler
Ist der Boletus essbar?
Mo
Bei Internet-Recherchen haben wir bis jetzt nur den Hinweis gefunden, dass man es bisher (noch) nicht wisse. Essbar ist er auf jeden Fall, mindestens 1x 🤭 – gut mit Zwiebeln andünsten…