Republik Whangamomona?

Veröffentlicht in: Neuseeland, Nordinsel | 0

Während wir hier auf der anderen Seite des Globus noch schlafen, sprudelt Ma’s Telefon förmlich vor Arbeit über – nicht für das Telefon, sondern für Ma. Und wie immer, wenn Ma die Arbeit ruft, steht sie Gewehr bei Fuss parat. Also wird schon vor dem Zmorge Kafi die Arbeitsmaschine angeworfen und fleissig in die Tasten gehauen.

Als die Zeit des Aufbruchs schon überschritten ist (unserer Tradition folgend sind unsere Nachbarn schon lange weg und wir somit die Einzigen und Letzten im Campground) wird kurz beratschlagt, was besser sei: Treu der Planung folgend und bei schlechtem Wetter für knapp 120 NZD für 2 Tage in den Tongariro Nationalpark, wobei wir dort dann keine Wanderung machen würden, oder die Planung über Bord werfen und was anderes machen. Wir machen was anderes und bleiben einen weiteren Tag in der Republik. Die Internetverbindung ist zwar nicht herausragend, aber für Ma’s Arbeit reicht es aus.

Während Ma stundenlang still und äusserlich ruhig vor sich hinbrütet und ihr Hirni auf Hochleistung arbeitet, geht Jo ein wenig der Hausmannsarbeit nach. Nach der Arbeit vertieft er sich in seinen E-Reader. Nach insgesamt 6 Std. harter Geistesarbeit klappt Ma ihr Arbeitskischtli für heute zu und wir gehen auf Entdeckungstour in der Republik Whangamomona.

Whangamomonas 20 Einwohner erklärten sich am 1. November 1989 aus Protest zur Republik. Grund war eine Verwaltungsreform, durch die das Dorf gegen den Willen der Einwohner der Region Manawatū-Whanganui statt Taranaki zugeordnet wurde. Die Einwohner fühlten sich von der Zentralregierung in Wellington übergangen, als neue Bezirksgrenzen gezogen wurden. Sie fühlten sich historisch und wirtschaftlich eher mit der Region Taranaki verbunden als mit Manawatū-Whanganui. Der symbolische Akt entstand aus Unmut über diese Entscheidung und zelebriert seitdem alle zwei Jahre ein Volksfest.

Als «offizielles Zeichen» für die Eigenständigkeit der Republik gibt sie im Whangamomona Hotel einen eigenen Pass mit Passstempel heraus. Zusätzlich weht über dem Hotel die eigene Flagge der Republik. Alle Bürger wählen regelmässig einen neuen Präsidenten. Für das Amt kandidieren kann praktisch jeder – auch Tiere. So sei eine Ziege zum ersten Präsidenten der Republik geworden, weil sie die Stimmzettel gegessen habe. Auf die Ziege folgte ein Pudel, inzwischen haben aber auch mehrere Menschen das symbolische Amt bekleidet. Obwohl der Status nicht offiziell anerkannt ist, dient er als humorvoller Widerstand und fördert den Tourismus in der abgelegenen Region am „Forgotten World Highway“.

JoMa wackeln die wenigen Schritte in Hauptstadt der Republik. Wobei Whangamomona mehr als nur Hauptstadt ist. Sie ist auch die einzige Stadt, falls man zu der Hand voll Häuser Stadt sagen kann…

Logo der "Republik Whangamomona"; im Hintergrund das Hotel der Rebublik
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Im Hotel, Gasthof, Bar, Restaurant, Pub, Treffpunkt und Touristenmagnet geht es hoch her. Das ist kein Wunder, da es heute um 12 Uhr nach langer Zeit und einem Pächterwechsel endlich wieder seine Pforten öffnet.

Von Jo’s Beantragung des Passes bis zur Ausgabe vergehen nicht mehr als 5 min. Und gegen 5 NZD ist er nun stolzer Mitbürger von Whangamomona! Der heilige Akt der Passausstellung erfolgt gleich neben dem Zapfhahn, aus dem das Bier kommt mit dem JoMa auf dieses historische Ereignis anstossen. In 10 Jahren muss Jo zur Verlängerung wieder kommen!

Das Dinner braucht zwar keine zehn Jahre, bis es auf den Tisch kommt, aber auch nicht viel weniger. Jedenfalls kommt es uns so vor. Mit Heisshunger stürzt sich Jo auf seine eher trockene lauwarme Veggi-Lasagne, die leider mehr nach Pappe, als Lasagne schmeckt. Aber vielleicht ist das ja ein Teil des Aufnahmerituals als neuer Bürger von Whangamomona?! Ma’s Burger lässt derweil nichts zu wünschen übrig.

Ein paar ältere motorradfahrende Semester steigen eher behäbig von ihren schweren Tourenmaschinen, um sich hier im Hotel erst ein paar Bierchen zum Znacht zu gönnen, bevor sie sich dann etwas benebelt zu Bette legen.

Bevor es eindunkelt (es wird jetzt schon um 20.30 Uhr finstere Nacht), wackeln wir die paar Schritte zum Campground zurück. Der sonst so sonnig heisse Tag, an dem wir eher ein Schattenplätzchen gesucht haben, geht mit einer dicken Wolkendecke über der Abendsonne zu Ende. Während wir auf Whangamomonas neuen Einwohner angestossen haben, hat sich der Campground doch noch mit weiteren Nachbarn gefüllt.

Wir könnten wetten, dass wir morgen nicht zu den Ersten gehören, die weiterreisen werden…

 

 

 

 

 

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