Waitangi Treaty Ground

Veröffentlicht in: Neuseeland, Nordinsel | 0

Als wir am frühen Morgen die Augen öffnen, strahlt doch tatsächlich die Sonne durchs «Schlafzimmerfenster» herein ☀️😃. Uiiiii, das ist aber fein.

Schnell kommen wir wegen der hohen Luftfeuchtigkeit ins Transpirieren. Doch zuerst ziehen wir mit Manaaki auf eine powered Site, einen Stellplatz mit Stromanschluss, um. Jo, der Intelligenzbolzen darf bei der netten Dame in Office gleich zweimal antraben, weil er sich beim ersten Mal mit der Platznummer auch gleich vertan hat…

Hier sitzen sie in der ersten Reihe - mit Strom UND Aussicht!
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Nach den üblichen Zmorge Regularien (Kafi und SuperBowl) wird beschlossen, ins nah gelegene Waitangi Museum zu gehen.

Waitangi ist weit mehr als nur eine malerische Kulisse an der Bay of Islands; es ist der Geburtsort des modernen Neuseelands. Am 6. Februar 1840 wurde hier der Treaty of Waitangi (Te Tiriti o Waitangi) unterzeichnet. Was auf dem Papier wie ein einfacher Pakt zwischen der britischen Krone und über 500 Māori-Häuptlingen aussah, ist bis heute das Fundament – und das Streitthema – der Nation. Da die Māori-Fassung und das englische Original bei Begriffen wie „Souveränität“ und „Regierungsgewalt“ krass voneinander abweichen, bleibt der Vertrag ein lebendiges, oft rechtlich umkämpftes Dokument.

Auf den Treaty Grounds spürt man dieses „Mana“ (Prestige) überall. Neben dem kolonialen Treaty House beeindruckt vor allem das Te Whare Rūnanga, ein prächtig geschnitztes Versammlungshaus, das die Einheit der Stämme symbolisiert. Ein echtes Kraftpaket ist das Ngātokimatawhaorua: Ein gigantisches Kriegskanu (Waka), das 35 Meter misst und 80 Ruderer braucht, um durch die Wellen zu pflügen. Dieses Kanu wiegt im trockenen Zustand 6 t. Jedes Jahr zum Nationalfeiertag am 6. Februar wird das Kanu 3 Tage vorher zu Wasser gelassen. Das Salzwasser lässt das Holz aufquellen und macht es somit wasserdicht. Allerdings wiegt das Kanu nach dem Wassern gut 9 t. Das Holz hat innerhalb der 3 Tage insgesamt 3’000 l Wasser aufgesogen!

Hier geht's zur heiligen Stätte Neuseelands den Waitangi Treaty Grounds
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Waitangi ist kein verstaubtes Museum, sondern ein Ort, an dem die Neuseeländer jedes Jahr am Nationalfeiertag leidenschaftlich über ihre Identität streiten, tanzen und feiern. Es ist der Ort, an dem die komplexe Seele Aotearoas, so bezeichnen Maori Neuseeland, zu Hause ist.

Zuerst nehmen wir an einer traditionellen Begrüssungs-, Gesangs- und Folklore-Vorstellung teil. Diese findet im Te Whare Rūnanga statt. Als im zweiten Teil der Vorstellung eine Gitarre als Musikinstrument hinzukommt, denk Jo, dass er fast auf einer Jahrmarktsvorstellung sei. Aber das tut der gesamten Vorstellung keinen Abbruch; alle Protagonisten sind mit grosser Motivation und viel Spass dabei.

Gleich im Anschluss gibt’s noch eine geführte Tour durch die Anlage. Reza, unser weiblicher Tour Guide, kennt sich hervorragend mit allem aus. Eindrücklich und mit einigen Anekdoten gespickt erzählt sie uns vieles über die eigentlichen Bewohners Neuseeland.

Der Begriff „Māori“ ist heute weltweit bekannt, doch seine Geschichte als Eigenbezeichnung für ein ganzes Volk ist kürzer, als man vielleicht denkt. Das Wort māori stammt aus dem Ur-Polynesischen und bedeutete ursprünglich schlichtweg „normal“, „natürlich“ oder „gewöhnlich“. Die Bewohner Aotearoas (Neuseelands) nutzten das Wort nicht als Namen für ihr Volk. Sie identifizierten sich primär über ihre Stammeszugehörigkeit (Iwi) oder Unterstämme (Hapū). „Māori“ wurde lediglich adjektivisch genutzt, um zum Beispiel „frisches Wasser“ (wai māori) von Salzwasser zu unterscheiden oder um sterbliche Menschen von Göttern und Geistern abzugrenzen. Erst als die britischen Siedler (die Pākehā) eintrafen, benötigten die Ureinwohner einen Sammelbegriff, um sich von den Fremden abzugrenzen. Sie bezeichneten sich selbst als die „Normalen“ oder „Einheimischen“ (tāngata māori), während die Europäer als andersartig wahrgenommen wurden.

Es ist wichtig zu verstehen, dass „Māori“ keine Zusammenfassung verschiedener Ethnien im klassischen Sinne ist, sondern eine ethno-linguistische Gruppe beschreibt. Dennoch lässt sie sich wie folgt unterteilen: Die Māori sind die Nachfahren ostpolynesischer Seefahrer, die zwischen 1200 und 1300 n. Chr. nach Neuseeland kamen. Sie teilen sich die kulturellen und sprachlichen Wurzeln mit den Völkern der Cookinseln, Tahitis und Hawaiis. Unter dem Dachbegriff „Māori“ sammeln sich hunderte von Iwi (Grossstämmen). Bekannte Beispiele sind die Ngāpuhi im Norden oder die Ngāi Tahu auf der Südinsel. Jeder Iwi hat seine eigene Geschichte, Dialekte und Territorien (Rohe).

Alle Māori-Gruppen führen ihre Herkunft auf das mythische Hawaiki zurück – nicht zu verwechseln mit Hawaii, sondern ein spiritueller Ursprungsort irgendwo im pazifischen Raum.

Kurz gesagt: Der Begriff Māori ist ein direktes Resultat der Begegnung mit der westlichen Welt – ein Wort für das „Heimische“ in einer Zeit des Wandels.

Auch auf die Besiedlung erst durch die Niederländer durch Abel Tasman und später durch die Engländer durch James Cook ist ein grosser Bereich dieser Führung.

Die Geschichte der europäischen Präsenz in Neuseeland ist eine Erzählung von verpassten Chancen der Niederländer und dem strategischen (wenn auch chaotischen) Vorgehen der Briten.

Der erste Europäer, der Neuseeland sichtete, war der Niederländer Abel Tasman im Jahr 1642. Er stand im Dienst der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC). Tasman ankerte in der heutigen Golden Bay (Südinsel). Die Begegnung mit den Māori endete jedoch gewaltsam: Bei einem Scharmützel wurden vier seiner Seeleute getötet. Tasman betrat das Land daraufhin nie. Er nannte das Land „Staten Landt“. Später änderten niederländische Kartografen dies in Nova Zeelandia (nach der niederländischen Provinz Zeeland). Die Niederländer sahen in dem Land keinen kommerziellen Nutzen. Es gab keine Gewürze, kein Gold und die Bewohner wirkten wehrhaft. Die VOC legte die Akte Neuseeland für über 100 Jahre ad acta.

Es gab keinen einzelnen „ersten Siedler“, sondern eine schleichende Migration ab dem späten 18. Jahrhundert. James Cook (1769): Er kartografierte das Land erstmals präzise für die Briten und nahm es formell für König Georg III. in Besitz. Ab den 1790er Jahren liessen sich Walfänger, Robbenjäger und später Missionare (ab 1814) nieder. Die erste permanente europäische Siedlung war Kororāreka (heute Russell) in der Bay of Islands. Sie war in den 1830er Jahren als „Höllenloch des Pazifiks“ bekannt, da sie ein gesetzloser Zufluchtsort für Matrosen und Händler war.

Dass Neuseeland britisch wurde und heute Teil des Commonwealth ist, lag an drei entscheidenden Faktoren: Ursprünglich wollte die britische Regierung Neuseeland gar nicht kolonisieren (zu teuer, zu weit weg, zu wenig lukrativ). Erst als private Firmen (die New Zealand Company) begannen, eigenmächtig Land von Māori zu kaufen und Siedler scharenweise ins Land brachten, musste London eingreifen, um Ordnung zu schaffen.

Die Briten hatten Wind davon bekommen, dass Frankreich ernsthaftes Interesse an einer Kolonie in Akaroa (Südinsel) hatte. Um den Franzosen zuvorzukommen, beschleunigten die Briten ihre Annexionspläne.

Der Vertrag von Waitangi (1840): Dies ist der entscheidende Moment. Um Rechtssicherheit zu schaffen und (offiziell) die Māori vor skrupellosen Landverkäufen zu schützen, wurde der Vertrag geschlossen. Damit wurde Neuseeland offiziell britische Kolonie.

Zusammenfassend: Die Niederländer „entdeckten“ das Land zwar, liessen es aber links liegen. Die Briten hingegen nutzten 127 Jahre später die Gunst der Stunde, als der Siedlungsdruck und die Rivalität mit Frankreich eine formelle Übernahme politisch notwendig machten. Aus der Kolonie wurde später ein Dominion und schliesslich ein souveräner Staat im Commonwealth.

Nach dieser interessanten Führung besuchten wir noch das eigentliche Museum, in dem die beiden grossen Weltkriege einen grossen Platz einnehmen. Nachmittags geniessen wir bei einem kalten Bier noch die letzten warmen Sonnenstrahlen 😁

JoMas "Instabild": Entspannt in Manaakis Schlafzimmer mit Blick auf Waitangi River
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Nach dem vorzüglichen Abendessen trifft Jo beim Abwasch in der Camp Kitchen einen jungen Mann aus Argentinien. Er meint, dass er aus einer kleineren Stadt aus Argentinien nur 700 km nördlich vom südlichen Polarkreis komme. Ushuaia fällt Jo dazu ein. Natürlich kommt Jo dann auch Pablo auf seinem kleinen blauen Honda Roller in den Sinn. So erzählt er, wie wir Pablo in Tikal, Guatemala vor gut 2 Jahren getroffen und kennengelernt haben. Was für eine Überraschung: Wie sich herausstellt ist der junge Mann ein Freund von Pablo (https://www.youtube.com/@PabloImhoff). Er meint, dass der kleine blaue Roller nun in Ushuaia im dortigen Museum ausgestellt ist. SO KLEIN IST DIE WELT!

Morgen geht’s auf nach Whangarai zum Autoelektriker, der uns hoffentlich helfen kann.

 

 

 

 

 

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