In der Camp Kitchen kam Jo doch gestern Abend doch tatsächlich mit noch zwei weiteren Paaren aus der Schweiz ins Gespräch. Eines kommt aus dem Aargau, das andere aus Uster…
So wechselhaft wie der Tag vom Wetter her beginnt, so zieht sich diese Nass-Trocken Phase fast im 10 Minuten Takt durch den ganzen Tag.

Um sich Inspirationen für den eigenen Reise-Van diheime zu holen, schauen die Kollegen aus Uster kurz in unseren Manaaki rein. «Die Länge mit 6 m ist schon mal gesetzt.» Aber Duschi, wie im jetzigen Leih-Camper brauchen sie nicht. «Das ist nur reine Platzverschwendung», meinen sie. Es ergibt sich nur eine kurze Diskussion wie und was. Ihre Zeit drängt, in wenigen Tagen geben sie ihren Van in Auckland zurück und fliegen noch für zwei hoffentlich entspannte Wochen nach Bali.
Das von Steve gewünschte WoF (Warrenty of Fitness) fordert uns doch schon recht. Jetzt über Ostern können wir keinen Termin abmachen und kurz vor knapp kann doch ins Auge gehen. Aber hier im Norden der Nordinsel, in den recht dünn besiedelten Northlands, ist es nicht so einfach, eine Autogarage dafür zu finden. Um nicht wie das Kaninchen vor der Schlange zu sitzen, machen wir uns einfach mal auf. Aber wohin wissen wir nicht so recht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wetterprognose für die nächsten Tage viel Regen und stürmische Winden vorhersagt. Was es nicht gerade attraktiv macht, unser nächstes Ziel, das Cape Reinga (die Nordspitze der Nordinsel) zu besuchen. Heute ist alles wie das Wetter eher unstet 🌦️
Als fester Punkt steht heute jedenfalls die Besichtigung von Tāne Mahuta auf dem Programm. Wir erinnern uns: Tane Mahuta ist der Lord of the Forest, der weltweit grösste, lebende Kauri Baum. Dafür müssen wir uns mit Manaaki gut 1 ½ Std. in Schlangenlinien dem Waipoua Kauri Forest entgegen schlängeln.
Am Parkplatz wird es plötzlich hektisch. Eine Parkplatzeinweiserin läuft die Strasse rauf und runter uns weist jedem seinen Parkplatz zu. So mitten auf der Strasse hin und her laufen kann ganz schön gefährlich sein. Besonders weil nicht jeder ihre wilden Handzeichen richtig zu deuten weiss. Wir reihen uns in die Schlange einer grösseren asiatischen Reisegruppe ein. Nach der obligatorischen Schuh-Desinfektion geht’s auf einem recht neuen Holzpfad durch den dichten Wald. Nach einer Minute ist auch schon Schluss. Vor Tāne Mahuta ist ein kleiner Stehplatz eingerichtet worden.
Die wilde Parkplatzeinweiserin übernimmt auch die Führung und Erklärung zu Tāne Mahuta: Seinem Alter, seiner Grösse und seiner spirituellen Bedeutung für die Maori. Nach ihren erklärenden Worten geht’s nochmals nur sehr wenige Schritte weiter. Wir stehen vor einem jüngeren Kauri Baum. Nach geschätzten 5 min. sind wir auch schon wieder auf dem kurzen Retourweg zu Manaaki. Der kurze Weg, der auch als spirituelle Erfahrung gedacht ist, bleibt bei dem ganzen Trubel eher auf der Strecke.
| Tāne Mahuta, der „Herr des Waldes“, ist der grösste lebende Kauri-Baum Neuseelands und ein majestätisches Naturwunder. Mit einer geschätzten Höhe von über 45 Metern und einem Stammumfang von über 15 m Metern ist er ein ehrfürchtiger „Herr des Waldes“. Sein Alter wird auf 1’250 bis 2’500 Jahre geschätzt, womit er bereits existierte, als die ersten Seefahrer um James Cook Neuseeland entdeckten.
Erst in den 1920ern wurde Tāne Mahuta während des Strassenbaus entdeckt. Für die Māori ist der Baum weit mehr als ein Naturschauspiel. In ihrer Schöpfungsgeschichte ist Tāne der Sohn von Rangi (Himmel) und Papa (Erde). Er war es, der seine Eltern aus ihrer ewigen Umklammerung trennte, indem er seine starken Beine gegen den Himmel stemmte. Dadurch brachte er Licht und Raum in die Welt und schuf den Lebensraum für alle Lebewesen. Die Bäume des Waldes gelten symbolisch als die Pfeiler, die den Himmel auch heute noch oben halten. Tāne Mahuta steht als Symbol für die Verbindung von Natur, Geschichte und Kultur. Heute ist dieser Gigant jedoch durch die Kauri-Dieback-Krankheit bedroht, weshalb Besucher strenge Reinigungsstationen passieren müssen, um seine Wurzeln zu schützen. Der Wald ist eingezäunt und mit einem Tor gesichert und die Besucher dürfen sich nur auf den neu angelegten, erhöhten Gehwegen bewegen. |
Für uns geht’s weiter im kurvenreichen Schlangenlinien. Warum auch immer, weichen wir heute von der angedachten Route ab. Hier oben in den Northlands ist nicht nur die Bevölkerungsdichte dünn, auch der Netzempfang ist eher dürftig.
Dachte Jo vor einigen Tagen schon beim Sandspit Campground bei den Kouto Boulders zu sein, sind wir es heute wirklich. Hier gibt es kein grosses Tam-Tam, wie bei den Moeraki Boulders auf der Südinsel. Kein Visitor Center mit Verkaufsshop, Café und grossen Busparkplatz. Nein, hier genügt ein kleiner Schotterparkplatz und den Weg muss man selbst erkunden: Die grösseren Boulders liegen erst nach ein paar hundert Metern mehr oder weniger schlammigen und matschigen Strandweg entlang sichtbar herum. Sie sind nicht wie die grossen Brüder in Moeraki an einer Perlenschnur aufgereiht, sondern eher etwas durcheinander gewürfelt.
| Während die berühmten Moeraki Boulders auf der Südinsel die Postkarten dominieren, bergen die unbekannteren Koutu Boulders am Hokianga Harbour auf der Nordinsel ein noch gewaltigeres Geheimnis. Diese geheimnisvollen Steinkugeln sind mit einem Durchmesser von bis zu fünf Metern deutlich grösser als ihre südlichen Verwandten und gelten als die grössten ihrer Art in Neuseeland. Geologisch gesehen handelt es sich um sogenannte Konkretionen: Über Millionen von Jahren lagerten sich Minerale schichtweise um einen Kern aus Fossilien oder Muscheln im weichen Sedimentgestein ab, ähnlich wie eine Perle in einer Muschel wächst. Die Erosion durch das Meer hat diese „Kanonenkugeln der Natur“ schliesslich aus den Klippen befreit und über einen etwa zwei Kilometer langen Strandabschnitt verteilt. Besonders faszinierend ist ihre fast perfekte Symmetrie und die netzartigen Risse auf der Oberfläche, die durch eingedrungenen Calcit entstanden sind.
Die riesigen Kugeln sind nur bei Ebbe vollständig zugänglich und ragen dann wie vergessene Murmeln von Riesen aus dem Schlick und Sand des Hokianga Harbour. |
Nach einigem Hin und Her findet Ma als heutigen Übernachtungsplatz die Hideaway Lodge. Na, ganz so versteckt ist diese Hideaway Lodge nun doch nicht, wie der Name verspricht. Vom Highway trennt uns nur eine Hecke, ein 3 m breiter Rasenstreifen und schon stehen wir da auf unserem Schotterplatz. Nach der kurzen Rundführung durch den Campground merken wir schon: Hideaway Lodge, not the nicest Place to be… Aber was soll’s, für eine Nacht wird’s schon gehn. Unsere Golf spielenden neuseeländischen Nachbarn sind der gleichen Meinung: «That’s not exactly the flashiest place…»

















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